PROJEKTSKIZZEN: JUUUPORT – Jugendliche beraten Jugendliche bei Problemen im Netz

Jugendliche sehen sich heutzutage in ihrem Online-Alltag mit vielen Herausforderungen konfrontiert. Das können Fragen über Datenschutz sein, Mobbing im Klassen-Chat oder die Frage, wie freizügig sie sich vor anderen Leuten darstellen. Seit 2010 setzt sich der gemeinnützige Verein JUUUPORT e. V. für ein respektvolles Miteinander in der Online-Kommunikation ein und unter stützt junge Menschen bei Problemen im Netz.

 

Das Konzept von JUUUPORT

Auf der Website www.juuuport.de helfen sich Jugendliche gegenseitig bei Problemen im Netz, wie z. B. Cybermobbing, Whats-App-Stress, Sexting oder Datenklau. Die Hilfe findet über ein Kontaktformular auf der Start seite von www.juuuport.de statt, ist anonym und kostenlos. Ratsuchende Jugendliche werden von den JUUUPORT-Scouts unterstützt, die zwischen 15 und 21 Jahre alt sind und sich ehrenamtlich im
Projekt engagieren. Sie wurden von Expert*innen aus den Bereichen Recht, Internet und Psychologie ausgebildet. Etwa 80 % der Beratungsanfragen behandeln das Thema Cybermobbing. Mobbing auf dem Schulhof und Mobbing über digitale Endgeräte gehen in der heu tigen jugendlichen Lebenswelt oftmals Hand in Hand. Bei JUUUPORT wird niemand alleingelassen. Die Peer-Beratung bei www.juuuport.de bietet hier eine erste Anlaufstelle, kann allerdings keine fundierte psychologische Be treuung ersetzen. Bei schwerwiegenderen Beratungsanfragen wird dement sprechend auf spezifische Beratungs stellen weiterverwiesen, beispielsweise die Nummer gegen Kummer oder Rechtsberatungen. Die Scouts sind auch außerhalb der Beratungsarbeit für den Verein aktiv und agieren als JUUUPORT-Botschafter. Die Präventionsarbeit nimmt ebenfalls einen großen Stellenwert ein. Auf Messen, Fachveranstaltungen und bei Schul-Workshops machen die JUUUPORT-Scouts pädagogische Fachkräfte, Eltern und andere Jugendliche auf das Beratungsangebot aufmerksam und informieren über typische Netz probleme. In kreativen Social-Media-Aktionen sprechen sie direkt zu ihren Peers und geben Tipps für ein
sicheres und faires Verhalten im eigenen Online Alltag. Außerdem schreibt unser Scout Kevin Rap-Songs über Cyber mobbing (»Kein Mobbing«), Medien sucht (»Ich bin [nicht] süchtig«) und Datenschutz. Diese Songs sind als Musikvideos online zugänglich1 und Kevin performt sie auch auf Veranstaltungen.

 

Peer-to-Peer-Ansatz

Die Online Beratung bei www.juuuport.de erfolgt von Jugendlichen für Jugendliche. Der Peer-Education-Ansatz weist hierbei viele Vorteile auf. Die Beratung erfolgt ohne erhobenen Zeigefinger. Jugendlichen fällt es oftmals leichter, sich Hilfe von Gleichaltrigen zu holen. Von erwachsenen Vertrauenspersonen fühlen sie sich vor allem in Bezug auf digitale Medien meist nicht wirklich verstanden. Die JUUUPORT-Scouts kennen die Netzthemen, Herausfor derungen sowie das Mediennutzungsverhalten ihrer eigenen Generation am besten und können somit authentisch, auf Augenhöhe und sehr verständnisvoll auf die Probleme der Ratsuchenden eingehen. Alle Scouts durchlaufen eine zweitägige Basis Schulung, bei der sie die Grundlagen der Beratungsarbeit kennenlernen: Rechtliche Grundlagen und Prinzipien der Online-Kommunikation, Mechanismen von Mobbing und Cybermobbing, Interventions strategien, Besonderheiten einer Online Beratung. Darüber hinaus lernen sie die Beratungsplattform kennen und üben gemeinsam mit erwachsenen Expert*innen die Beantwortung von Fragen aus Fallbeispielen. Die Scouts ar beiten von ihrem eigenen Rechner zu Hause aus. Es gibt Arbeits treffen, bei denen aktuelle Themen besprochen und relevante Beratungs grundlagen aufgefrischt werden.

 

Die Beratung

Um den ratsuchenden Jugendlichen eine möglichst zeitnahe Hilfestellung zu gewährleisten und dabei das freiwillige Engagement der JUUUPORTScouts nicht allzu sehr zu strapazieren, erhält jede neu eingegangene Beratungsanfrage eine Bearbeitungszeit von maximal 48 Stunden. Alle Anfragen kommen in einem gemeinsamen Postfach an. Jeder Scout kann sich eine Anfrage »herausnehmen«, indem er oder sie die Anfrage mit dem persön lichen Label markiert – so wissen die anderen Scouts, dass sich schon jemand um diese Anfrage kümmert. Es ist möglich, Anfragen auch gemeinsam zu bearbeiten. Dafür steht bei jeder Anfrage ein Kommentarbereich zur Verfügung, über den sich die Scouts bei Fragen austauschen können. Vor allem für die neuen Scouts ist die Kommentarfunktion eine hilfreiche Möglichkeit, sich von den erfahrenen Scouts bei den Antworten unterstützen zu lassen. Mithilfe eines Freischaltsystems werden die Beratungsanfragen zunächst durch erwachsene Expert*innen gesichtet, bevor sie für die jugendlichen Berater freigegeben werden. Somit können jugendgefährdende Inhalte oder allzu sehr psychisch belastende Anfragen herausgefiltert werden.

 

Neuerungen in der Beratung

Seit Dezember 2019 bietet JUUUPORT donnerstags von 18 bis 20 Uhr einen Live Chat an. Hier können sich Jugendliche zu jedem Thema melden und Fragen an die jugendlichen Berater*innen, die JUUUPORT-Scouts, stellen. Der Live-Chat ist eine Ergänzung zur Beratungsseite und gilt als eine erste Testphase vor einer geplanten Messenger Beratung: Auch JUUUPORT geht mit der Zeit und möchte daher ab April
eine Messenger-Beratung anbieten. So wird das Beratungsangebot niedrigschwelliger und die Anfragesteller*innen haben die Möglichkeit, schnell mit den jugendlichen Scouts in Kontakt zu treten. Um die Angebote gegen Probleme im Netz weiterhin verstärkt zu verbreiten und die Zusammenarbeit mit Schulen zu fördern, bietet JUUUPORT neuerdings ein Schulpaket an. Es besteht aus einer Unterrichtseinheit
zu (Cyber-)Mobbing auf der Grundlage des Rap-Songs von Scout Kevin und Webinaren. Die Unterrichtseinheit steht unkompliziert zum Download bereit. Die Webinare können von Schulen und Jugendgruppen gebucht werden und finden ortsunabhängig statt. Sie behandeln Herangehens weisen für weniger Stress auf Whats App und den respektvollen Umgang im Klassen-Chat. Auch zu Cybermobbing gibt es ein Webinar-Angebot, bei dem es darum geht, wie Betroffene von Cybermobbing aktiv werden und wie sich Beistehende für Geschädigte einsetzen können. Nach zehn Jahren aktiver Präventions- und Beratungsarbeit wird JUUUPORT das Angebot immer weiter verbessern und Jugendlichen einen sicheren Hafen bei Problemen im Netzbieten.

Autorinnen und Autoren

Gesa Lindenau

studiert Medien- und Kommunikationswissenschaft sowie Germanistik (NF) an der Universität Hamburg. Sie ist Studentische Mitarbeiterin bei JUUUPORT e. V.

 

Kontakt:
JUUUPORT e. V.
Landschaftstraße 7
30159 Hannover
Telefon 0511 3670160
info(at)juuuport.de
www.juuuport.de