Was macht Prävention erfolgreich? Zur Kritik klassischer Präventionsansätze und deren Überwindung

Im folgenden Beitrag wird der in Kindergarten und Grundschule verbreitete Empowerment-Ansatz zur Primärprävention sexuellen Missbrauchs, der auf Selbstschutzfertigkeiten des Kindes zugeschnitten ist, einer Prüfung unterzogen. Grundsätze erfolgreicher Präventionsarbeit werden formuliert, die im Wesentlichen auf fundierter Sexualaufklärung und -erziehung basieren.

Sexueller Missbrauch und Prävention

Unter sexuellem Kindesmissbrauch1 (SKM) werden Straftaten nach § 176 StGB (Fischer 2010) subsumiert: Missbrauch mit/ohne Körperkontakt, mit/ohne Penetration. Jahrelange individuelle Folgeschäden mit hohem und intensivem Therapiebedarf für die Opfer und eventuell erheblichem volkswirtschaftlichen Schaden können aus diesen Straftaten resultieren. Aus individueller wie gesellschaftlicher Sichtweise ist daher die Notwendigkeit der Prävention (das Verhindern bzw. Vorbeugen) sexuellen Missbrauchs von Kindern seit einigen Jahren allgemein anerkannt. Dabei stehen generell zwei Arten der Prävention zur Verfügung: Täter- und Opferprävention. Täterprävention bündelt alle präventiven Maßnahmen zur Verhinderung sexueller Übergriffe. Insbesondere das Charité-Projekt2 und das Vermonter Projekt »Stop it now!«3 engagieren sich in diesem Bereich. Opferprävention ist an zu künftige Opfer gerichtet mit dem Ziel, dieses Opferwerden zu verhindern. Opferprävention steht in den Formen der Verhältnis- und Verhaltensprävention zur Verfügung für eine umfassende Darstellung beider Ansätze (Lengerke 2007). Innerhalb der Verhaltensprävention lassen sich weitere Konzepte differenzieren. Caplans Präventionskonzept der Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention ist insbesondere in curricular ausgerichteten Präventionsmaßnahmen gegen sexuellen Missbrauch von Kindern weit verbreitet (Caplan 1964). Daneben findet Gordons Präventionskonzept der universalen, selektiven und indizierten Prävention Anwendung. Unter universaler Prävention werden Präventionsbemühungen für allgemeine Populationen verstanden. Selektive Prävention richtet sich an Risikogruppen, während indizierte Präventionsbemühungen sich an Personen(gruppen) mit manifesten Problemen richten (Gordon 1983).

Der Verbreitungsgrad von Konzepten der universalen, selektiven und indizierten Prävention im Bereich der SKM-Prävention ist bislang kaum erforscht (Knorth/Knot-Dickscheit/Strijker 2009).

Prävention von SKM als Empowerment

Die bisher bekanntesten Primärpräventionsprogramme gegen sexuellen Missbrauch von Kindern sind in der Verhaltensprävention angesiedelt. Dabei richtet sich die Mehrzahl vorhandener Programme direkt an Kinder, es existieren aber auch Programme für Erwachsene und Jugendliche. Die überwiegende Mehrzahl der an Kinder (im Grundschulalter, aber auch schon im Kindergarten) gerichteten Programme ist dem Empowerment-Ansatz zuzuordnen. Dazu zählen zum Beispiel Präventionsprogramme wie »Mein Körper gehört mir« (Theaterpädagogische Werkstatt Osnabrück) oder »Sag Ja zu Dir«, »Nein heißt Nein« (beide Power Child4). Im Fokus stehen dabei Selbstschutzfertigkeiten und -fähigkeiten der Kinder durch Erlernen von Konzepten und Handlungen und deren praktischer Anwendung. Angenommen wird, dass diese emanzipatorischen Fähigkeiten den Kindern helfen, den Missbrauch abzuwehren. Die folgende Tabelle 1 gibt einen kleinen Überblick über die Inhalte.

Tab. 1 Was bisher angeboten wird

Empowerment-Prävention, die sich an Kinder richtet, bietet folgende Vorteile: Mehrere Untersuchungen (zur Übersicht Kindler 2003) zeigen eine im Mittel positive Wirkung von Präventionsprogrammen. Dabei wurde meist untersucht, ob Nebenwirkungen (erhöhte Ängstlichkeit, Beunruhigung) auftraten, welche erwünschten Wirkungen auftraten etc. Meist wurden solche Programme von den Kindern positiv eingeschätzt. Gleichzeitig wurde meist ein Anstieg des Sicherheitsgefühls berichtet. Bislang vorliegende Ergebnisse aus Meta-Analysen und Review-Studien zeigen positive Effekte von schulpräventiven Programmen in Bezug auf allgemeine Selbstschutzfaktoren, nicht jedoch in Bezug auf sexuellen Missbrauch von Kindern (Knorth/Knot-Dickscheit/Strijker 2009).

Folgende Nachteile schränken die Wirksamkeit der Empowerment-Prävention erheblich ein: Die Selbsteinschätzungen der Kinder in Bezug auf erhöhte Sicherheitsgefühle sind kritisch zu hinterfragen: Bedeutet ein erhöhtes Gefühl der Sicherheit eine tatsächliche Erhöhung der Sicherheit? Könnte diese gefühlte Sicherheit Kinder vielleicht fälschlich in Sicherheit wiegen: Sie fühlen sich eventuell sicherer, da sie Strategien zur Abwehr eingeübt haben, von denen unklar bleibt, welche von ihnen im Ernstfall wirken. Einige Untersuchungen zur Wirksamkeit der Prävention aus Sicht der Tatbegehenden zeigen, dass sich wehrende Kinder die Tat nur hinausschieben, aber nicht grundsätzlich verhindern (Kindler 2003). Direkt an Kinder gerichtete Ansätze vernachlässigen diejenigen Faktoren, die sexuellen Missbrauch er möglichen, aber der Verantwortung von Erwachsenen unter liegen und gleichzeitig der Kontrolle und Beeinflussbarkeit durch Kinder entzogen sind (Kindler 2003). Gleichzeitig vernachlässigen bisherige Präventionsprogramme den interkulturellen Lebensweltkontext der Kinder: Die Inhalte sind meist an der Mehrheitsgesellschaft orientiert, vernachlässigen aber andere, nicht-westliche Werte, Normen und Regelungen.5

Kritik an bisheriger Primärprävention

Kinder sind zwar alt genug, um es zu erleben, aber nicht alt genug, um kompetent darüber aufgeklärt zu werden, könnte man provokativ formulieren. Klassische Primärpräventionsprogramme konzentrieren sich in der Regel auf die bereits erwähnten Selbstschutzfertigkeiten, die einer wirksamen Prävention konträr gegenüberstehen (Ferres 2007; Mebes 2004; Theaterpädagogische Werkstatt Osnabrück; Power Child): Zum einen wird die Verantwortung für den Schutz an die Opfer delegiert, ohne dass gefragt würde, ob die Opfer diese überhaupt übernehmen können. Wirksame und erfolgreiche Prävention sollte nicht den Opfern der Übergriffe die Verantwortung für die Prävention der Übergriffe zuschieben. Zum anderen sind die inhaltlichen Fertigkeiten und Konzepte für die Prävention ungeeignet: Das Fehlverhalten der Erwachsenen soll von den Kindern erkannt, berichtet und beendet werden. Innerhalb der Fertigkeiten wird erwartet, dass Kinder präventive Techniken erlernen, diese aber nicht generalisieren, sondern ausschließlich in (nicht näher bestimmbaren) Situationen gefühlter Bedrohung anwenden, (z.B. Neinsagen6, Sichwehren7). Kinder sollen also ihr Verhalten ändern, um Hochrisikosituationen zu entkommen. Diese Strategie ist demnach ausgerichtet an der Verantwortung der Opfer, überhaupt nicht/nicht mehr Opfer zu werden oder zu sein. Die bisher verwendeten Konzepte erweisen sich gleichfalls als kontraproduktiv: Das Sexuelle am sexuellen Kindesmissbrauch bleibt in verwendeten Konzepten ausgespart, oft mit der Begründung, Kinder nicht unnötig ängstigen zu wollen. Stattdessen werden den Kindern unscharfe Kriterien zum Erkennen des Missbrauchs vermittelt, die weder speziell auf sexuellen Missbrauch verweisen, noch ihn beinhalten, noch auf die Strategien der Tatbegehenden eingehen (für eine umfassende Kritik: Damrow 2008, 2009). Insbesondere falsch-positive wie falsch-negative Einschätzungen sexueller Übergriffe werden damit ermöglicht.

Diese Art universelle Angebote der Prävention, die ihre Inhalte gemäß dem Prinzip »one size fits all« gestalten, werden dem Ziel primärer (und universaler wie selektiver) präventiver Bemühungen gar nicht oder kaum gerecht.

Erfolgreiche Prävention – oder: Wie geht es besser?

Prävention geht alle an. Prävention sollte für alle Kinder gelten – aber wie? Für erfolgreiche Prävention sexuellen Missbrauchs sind insbesondere die zwei Aspekte des Was und Wie von zentraler Bedeutung: Inhalte und Strukturen. Insbesondere die Inhalte entscheiden über die Wirksamkeit der Prävention, während die Strukturen des Programms Auskunft über die Effizienz geben können.

Präventionskonzepte sollten, wenn sie denn auf Kinder bezogen sind und sich an Kinder wenden, kindliche Sexualität mit einbeziehen. Menschen sind mindestens von Geburt an, meist aber schon vorgeburtlich, sexuelle Wesen; sie fühlen, handeln und erleben sexuell. Präventionskonzepte, die gegen sexuellen Missbrauch arbeiten, aber ohne explizit sexuelle Bezüge aufklären, erreichen alles Mögliche, aber keine erfolgreiche Präventionsarbeit gegen sexuellen Missbrauch. Deshalb sollte die Erfassung des Sexualwissens, die konkrete und korrekte Bezeichnung der Genitalien ebenso Standard sein wie die Einbeziehung kindlicher Sexualität (Schuhrke 1991; Volbert 2000). Im Vordergrund steht die Aufklärung der Kinder über sexuellen Kindesmissbrauch: Sie werden ihn nicht absolut verhindern können und sie werden ihn meist nicht absolut beenden können; aber sie können lernen, ihn zu erkennen und sie können lernen, dass die grundlegenden Mechanismen, mit denen sexueller Missbrauch ermöglicht wird, nämlich Bestechung (immateriell oder als materielle Zuwendung) und Erpressung, eingesetzt werden, um Kinder zu sexuellen Handlungen zu nötigen. Eine Übersicht zu notwendigen Inhalten findet sich in Tabelle 2.

Tab. 2 Notwendige Inhalte

Neben den Inhalten präventiver Maßnahmen bestimmen die Strukturen entscheidend über erfolgreiche Prävention. So wurden in mehreren Übersichtsstudien (Knorth/Knot-Dickscheit/Strijker 2009) folgende strukturelle Faktoren als erfolgreich beurteilt: Eine konsistente Einführung des Präventionsprogramms, Einsatz verschiedener Methoden und Bezugspunkte, Einbeziehung von Eltern, Lehrpersonal und/oder Peers sowie ein frühzeitiger Beginn (möglichst schon im Kindergarten- oder Grundschulalter). Strukturen der Implementierung von Programmen bestimmen ebenfalls entscheidend über die Wirksamkeit (s. Modellprojekte des bayerischen Landesjugendrings »Prätect«8).

Dauer, didaktische Durchführung, verwendete Materialien und deren Einbindung, aber auch die transparent gemachte Qualifikation der (externen) Durchführenden, die Kooperation und Vernetzung mit anderen Stellen (Beratungsdienste, Hotlines, therapeutische Dienste, Trauma-Ambulanzen) sind ebenso relevant wie eine kultur- und gendersensibles Arbeit. Gerade in überlappenden Bereichen von Prävention und Intervention können neue Wege beschritten werden: Präventionskonzepte mit Besuchen bei/durch Fachkräfte der Polizei, Richterschaft, Staatsanwaltschaft.9 Schon in der Präventionsarbeit sollten Informationen zu möglicher Intervention selbst verständlich sein. Eine erhöhte Aufdeckungsrate nach Präventionsveranstaltungen ist empirisch zwar nicht eindeutig belegt, wahrscheinlich aber zu erwarten. Keines falls aber sollten extreme Persistenz-Erwartungen10 in die präventive Arbeit hineinwirken: Es fehlt an Untersuchungen, in welchem Ausmaß Kinder resilient diese Erfahrungen verarbeiten.

Eine Resilienz-Erwartungshaltung könnte aber bereits in Präventionskonzepte eingearbeitet werden: Sexueller Missbrauch ist erfolgreich zu überleben. Damit könnte gleichzeitig einer Traumatisierung der Opfer entgegengewirkt oder sie zumindest vermindert werden.

Sprachliche Vielfalt dieser Präventionsangebote sollte ebenso selbstverständlich sein wie die Arbeit in gemischtgeschlechtlichen Teams.

Grundsätze erfolgreicher Präventionsarbeit lauten daher:

  1. Prävention ist eher eine Erziehungshaltung als eine zeitlich begrenzte Maßnahme. Wenn – aus besonderen Erfordernissen (unzureichende Qualifikation pädagogischer Fachkräfte, Unbehagen am Thema …) – externe professionelle Fachkräfte mit eingebunden werden, sollten diese Maßnahmen zeitlich dicht aufeinanderfolgend und regelmäßig stattfinden.
  2. Präventive Maßnahmen richten sich in erster Linie an Erwachsene, erst in zweiter Linie an Kinder. Damit wird die Verantwortung für die Prävention an die Erwachsenen delegiert.
  3. Opferpräventive Maßnahmen sind klar abgegrenzt von täterpräventiven Maßnahmen: Opferpräventive Maßnahmen sind erst sekundär und/oder tertiär täterpräventiv: Jungen und Mädchen haben gleichermaßen ein Anrecht auf faire Behandlung und Zuerkennung eines Opferstatus. Jungen als (potenzielle) Opfer sollten nicht einem präventiven Angebot ausgesetzt werden, das sie als potenzielle Täter behandelt.
  4. Wenn Kinder als Klientel vorgesehen sind, sollten korrekte und konkrete Informationen zum sexuellen Missbrauch gegeben werden: so umfassend wie nötig und so exakt wie möglich!
  5. Prävention sexuellen Missbrauchs ist ohne entsprechende Sexualerziehung/Sexualaufklärung/Sexualpädagogik unmöglich. Die Terra incognita kindlicher Sexualität gilt es zu erforschen.
  6. Um der heterogenen Vielfalt der alltäglichen Lebenskontexte gerecht zu werden, muss die Zielgruppenspezifik (Geschlecht, Migration, Armut, Sprachkontext) bei Präventionsmaßnahmen berücksichtigt werden.

Lehren aus erfolgreicher Intervention: Lernen von resilienten Kindern

Im Fokus der Intervention bei sexuellem Kindesmissbrauch steht meist das Kind, dessen Gefährdung beendet werden soll. Oft fühlen sich Opfer von SKM traumatisiert und benötigen entsprechende fachliche Hilfe. Neben Einbindung von Ansätzen der Resilienzforschung sollten Erkenntnisse der Traumaforschung in die Präventions- und Interventionsarbeit einbezogen werden. So können Kinder aus eigener Kraft an der Bewältigung traumatischer Ereignisse mithelfen. Dafür stehen mittlerweile vielversprechende pädagogische Ansätze bereit (für pädagogische Arbeit mit traumatisierten Kindern: Eckardt 2005, zur Förderung präventiver Resilienz: Fröhlich-Gildhoff 2007).

Grenzen von Prävention und Intervention

Prävention und Intervention ergänzen einander im Problemfeld sexuellen Kindesmissbrauchs. Dennoch stehen bislang keine umfassenden, intensiven Untersuchungen zur Verfügung, die als empirische Basis für Wirksamkeit (evidenzbasierte Prävention) dienen können. Die Wirksamkeit präventiver Maßnahmen lässt sich aus ethischen Gründen nicht im Feld erproben (für eine Überblicksdarstellung: Marquardt-Mau 1995). Die bisherige Praxis, als Wirksamkeit und Beleg für den Nutzen eines Präventionsprogramms empirische Daten der Unbedenklichkeit heranzuziehen (keine unerwünschten Nebenwirkungen: Nutzen ist, wenn es nicht schadet), ist der Brisanz des Themas unangemessen.

Sowohl für bisherige (Opfer-) Präventions- als auch für Interventionsstudien gilt, dass die Qualität von Evaluations- und Effektuntersuchungen nicht immer gewährleistet ist. Insbesondere folgende Mängel schränken die Aussagefähigkeit der Ergebnisse ein: kein experimentelles oder Randomized Controlled Trial-Design11 (Willich 2006); kein quasiexperimentelles Design; Verwendung unterschiedlicher Maßstäbe für die Ergebnisse; Mangel an Längsschnittstudien; keine Kosteneffektivitätsstudien oder -analysen; keine Kausalstudien.

Untersuchungen zur Effektivität und Effizienz präventiver Maßnahmen gegen sexuellen Kindesmissbrauch fehlen nahezu vollständig. Folgende Fragen müssen von Forschung und Praxis gestellt und beantwortet werden: Inwiefern ist welche präventive und welche interventive Maßnahme effektiv, welche moderierenden Faktoren bestehen und wie wirken sie?

Fazit

Erfolgreiche opferorientierte Prävention sexuellen Kindesmissbrauchs beinhaltet kompetente und profunde Aufklärung der Kinder durch Erwachsene, ältere Jugendliche oder Peers. Sie informiert sachlich unaufgeregt, aber umfassend alle Kinder und deren Bezugspersonen unter Berücksichtigung spezifischer Bedarfe, ist an Ressourcen der Kinder orientiert, zeigt Hilfemöglichkeiten auf, bezieht unter schiedliche Kooperationspartner mit ein und dient damit dem Ziel eines effektiven und präventiven Kinderschutzes. Erfolg reiche opferorientierte Präventionsmaßnahmen schreiben die Verantwortung für die Prävention den Erwachsenen zu, entlasten damit potenzielle Opfer und tragen somit zu einer möglichen Verringerung von Traumata bei. 

 

Fußnoten

1 Synonym wird inzwischen eher der Begriff sexuelle Gewalt gegen Kinder verwendet oder allgemeiner: sexuelle Übergriffe.
2 www.kein-taeter-werden.de; s.a. Beitrag von Chr. J. Ahlers in diesem Heft, d. Red.
3 www.stopitnow.com
4 www.power-child.de
5 Eine Ausnahme stellen die interkulturellen Präventionsbemühungen von Strohhalm (Berlin) dar (Strohhalm e.V. 2007 a, b).
6 Eine generalisierte Grundhaltung zum emanzipatorischen Nein-Sagen (im Sinne einer Selbstbestimmung der Kinder) ist in der Regel nicht erwünscht (und inwieweit dies wünschenswert wäre, wäre noch zu prüfen).
7 Sichwehren als präventive Strategie vernachlässigt mehrere Einflussfaktoren: das strukturelle Machtungleichgewicht im generationalen Verhältnis, das physische Machtungleichgewicht und das kognitive Machtungleichgewicht. Zudem wird dadurch unterstellt, dass Kinder sich wehren können (und sollen), unabhängig davon, wie Kinder den sexuellen Missbrauch erleben (vorausgesetzt, dass sie ihn als solchen überhaupt erkennen, beurteilen und einschätzen können).
8 www.praetect.de (Zugriff am 28. 7. 2010).
9 Ein möglicher Ansatz ist dieses Bilderbuch: Behrmann et al. (2006)
10 Persistenz hier als Dauer verstanden: die Folgen bleiben lebenslang erhalten.
11 Randomized Controlled Trial-Design (RCT): In der experimentellen (empirischen) Forschung ein kontrolliertes Studiendesign durch Ausschluss von Verzerrungseffekten durch Verblindung (Randomisierung), also Kontrollund Experimentalgruppen, bei denen (im Idealfall) weder Gruppenmitglieder noch Durchführende wissen, wer zu welcher Gruppe gehört (Doppelverblindung).

 

Literatur

Behrmann, A./Schneider, U./Franke, T. R. (2006): Anna und Jan gehen vor Gericht. Ein Kinderbuch zur Prozessvorbereitung bei Sexualstraftaten. Hannover: Schöneworth
Caplan, G. (1964): Principles of Preventive Psychiatry. New York: Basic Books
Damrow, M. K. (2008): Primärprävention sexuellen Kindesmissbrauchs. In: Soziale Arbeit 3/2008, S. 96–101
Damrow, M. K. (2009): Zur Praxisrelevanz von Primärpräventionsprogrammen gegen sexuellen Kindesmissbrauch. In: Theorie und Praxis der Sozialen Arbeit 60(4), S. 261–268
Eckardt, J. (2005): Kinder und Trauma: was Kinder brauchen, die einen Unfall, einen Todesfall, eine Katastrophe, Trennung, Missbrauch oder Mobbing erlebt haben. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht
Ferres, V. (2007): Nein, mit Fremden geh ich nicht. 2. Auflage. München: cbj
Fischer, Th. (2010): Strafgesetzbuch und Nebengesetze. 57. Auflage. München: C.H. Beck (Reihe: Beck’sche Kurz-Kommentare, Band 10)
Fröhlich-Gildhoff, K. (2007): Prävention und Resilienzförderung in Kindertageseinrichtungen – PriK. Trainingsmanual für Erzieherinnen. München: Reinhardt
Gordon, R. (1983): An Operational classification of Disease Prevention. Public Health Report 98(2), S. 107–119
Kindler, H. (2003): Evaluation der Wirksamkeit präventiver Arbeit gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen und Jungen. 1. Auflage. München: Amyna e.V.
Knorth, E./Knoth-Dickscheit, J./Strijker, J. (2009): Intervention und Prävention. In: Andresen, S./Casale, R./Gabriel, Th./Horlacher, R./
Larcher Klee, S./Oelkers, J. (Hrsg.): Handwörterbuch Erziehungswissenschaft. Weinheim: Beltz, S. 438–451
Lengerke, Th. von (2007): Individuum und Bevölkerung zwischen Verhält nissen und Verhalten: Was ist Public-Health-Psychologie? In: Lengerke, Th. von (Hrsg.): Public Health – Psychologie. Individuum und Bevölkerung zwischen Verhältnissen und Verhalten. 1. Auflage. Weinheim: Juventa, S. 11–18
Marquardt-Mau, B. (1995): Schulische Prävention gegen sexuelle Kindesmisshandlung zwischen Hoffnung und Realität. In: Marquardt-Mau, B. (Hrsg.): Schulische Prävention gegen sexuelle Kindesmisshandlung. Grundlagen, Rahmenbedingungen, Bausteine und Modelle. 1. Auflage. Weinheim/ München: Juventa, S. 10–28
Mebes, M. (2004): Kein Küsschen & kein Anfassen auf Kommando. Köln: Mebes & Noack
Schuhrke, B. (1991): Körperentdecken und psychosexuelle Entwicklung. Theoretische Überlegungen und eine Längsschnittuntersuchung an Kindern im zweiten Lebensjahr. Regensburg: Röderer
Strohhalm e.V. (2007 a): Jedes Kind auf dieser Erde ist ein Wunder. Band 1: Interkultureller Kontext für Prävention, Elternbildung und Beratung bei sexuellem Missbrauch. Köln: Mebes & Noack
Strohhalm e.V. (2007 b): Jedes Kind auf dieser Erde ist ein Wunder. Band 2: Schutz vor sexuellem Missbrauch: Konzepte und Erfahrungen interkultureller Prävention
Volbert, R. (2000): Sexual knowledge of preschool children. Journal of Psychology and Human Sexuality, 12, S. 5–26
Willich, St. N. (2006): Randomisierte kontrollierte Studien: Pragmatische Ansätze erforderlich. Deutsches Ärzteblatt 2006; 103(39): A-2524/B-2185/C-2107
 

Autoren

Dr. Miriam K.  Damrow

Dr. Miriam K. Damrow ist Sozialwissenschaftlerin und Dozentin an der Martin-Luther-Universität Halle. Ihr Tätigkeits schwerpunkt ist die Prävention sexuellen Missbrauchs.

 

 

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