Sexueller Missbrauch – Betroffene und Täter

Wie wichtig es ist, in der Diskussion um sexuellen Missbrauch die Seite des Kindes im Auge zu behalten, wird im ersten Teil dieses Beitrages aus psychotherapeutischer Sicht dargestellt. Traumatisierungen der Sexualität, auch dies ein wichtiger und öffentlich kaum beachteter Aspekt, liegen nicht in jedem Fall sexuelle Handlungen zugrunde. In Teil II geht es unter anderem um Typologien von Tätern, psychosoziale Ursachen für sexuellen Missbrauch sowie Strategien Erwachsener, die kindliche Abwehr zu durchbrechen.

I. Sexueller Missbrauch

Begriffsbestimmung »sexueller Missbrauch« im therapeutischen Kontext

Die Bezeichnung »Opfer eines sexuellen Missbrauchs, einer Vergewaltigung, einer Sexualstraftat« ist keine Diagnose, sondern vielmehr eine Angabe über eine potenziell traumatisierende Situation, die eingebettet ist in einen Ablauf von positiven und negativen vorausgegangenen körperlichen und Beziehungserfahrungen (vgl. Richter-Appelt 1997). Eine Diagnose ist vielmehr die qualitative und quantitative Einschätzung der Symptome, Syndrome und Krankheitsbilder, wie etwa einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTSD), die als Folge eines Missbrauchs oder einer Vergewaltigung auftreten können.

Die Definition oder vielleicht besser Beschreibung von sexuellem Missbrauch wurde Ende des 20. Jahrhunderts meist durch folgende Kennzeichen charakterisiert:

  • eine sexuelle Handlung;
  • eine Abhängigkeitsbeziehung;
  • die Bedürfnisbefriedigung des Mächtigeren;
  • die mangelnde Einfühlung in das Kind;
  • das Gebot der Geheimhaltung (Richter-Appelt 1995).

Diese Kennzeichen erweisen sich bei näherer Überprüfung als ungenau und wenig differenziert: Die sexuelle Handlung und der Begriff der Abhängigkeitsbeziehung sind nicht genau genug operationalisiert und auch bei den restlichen drei Merkmalen (Bedürfnisbefriedigung des Mächtigeren, mangelnde Einfühlung in das Kind und Gebot der Geheimhaltung) handelt es sich bestenfalls um oberflächliche Beschreibungen, die eine Analyse des komplexen Interaktions- und damit verbundenen Fantasiegeschehens (wie z.B. Ängste, was auf einen Übergriff folgen könnte) im Kontext einer sexuellen Missbrauchssituation oder Beziehung ver missen lassen und leicht Gefahr laufen, in Fehldeutungen und/oder Beliebigkeit zu münden. Die Schwierigkeit, sexuellen Missbrauch einzugrenzen, wird etwa in der bereits 1989 formulierten Definition von Fegert deutlich: »Sexueller Missbrauch ist ein traumatisches Erlebnis (eine Noxe), das auch mit konkreten körperlichen Traumata verbunden sein kann und psychische Sofort-, Früh- oder Spätfolgen zeitigen kann. Zu diesen psychischen Folgen können eine große Zahl von Symptomen gehören, wobei eine lineare Kausalität (sexueller Missbrauch-Krankheitsbild), bei aller Evidenz, wissenschaftlich oft nicht aufzuzeigen sein wird.« (S. 69)

Bis heute gibt es keine allgemein anerkannte Definition von sexuellem Missbrauch. Engfer (1986) gibt folgende umfassende Definition: »Unter sexuellem Missbrauch versteht man die Beteiligung noch nicht ausgereifter Kinder und Jugendlicher an sexuellen Aktivitäten, denen sie nicht verantwortlich zustimmen können, weil sie deren Tragweite noch nicht erfassen. Dabei benutzen bekannte oder verwandte (zumeist männliche) Erwachsene Kinder zur eigenen sexuellen Stimulation und missbrauchen das Macht- und Kompetenzgefälle zum Schaden des Kindes. Sexueller Missbrauch umfasst alle möglichen vaginalen, oralen oder analen Praktiken, anzügliche Bemerkungen, Berührungen, Exhibitionismus, Missbrauch von Kindern zur Herstellung pornographischen Materials, auch die Anleitung zur Prostitution.« (S. 662) Diese Beschreibung muss aber um den Täterkreis der Fremden erweitert werden, der vor allem bei sexuellem Missbrauch von Jungen eine wichtige Rolle spielt. Auch werden nicht erwachsene Personen als Täter ausgeschlossen. Es gilt aber als sicher, dass auch Gleichaltrige, Kinder und Jugendliche, miteinander in einer sexuell traumatisierenden Weise verkehren können.

Prävalenz von sexuellen Missbrauchserfahrungen

Die Angaben zu den Häufigkeiten sexueller Missbrauchserfahrungen vor dem 14. Lebensjahr liegen bei einer weit gefassten Definition in Deutschland bei jungen Frauen (meist Studentinnen) zwischen 11,9% und 23% und bei den Männern zwischen 2,1% und 5,8% (Richter-Appelt/ Tiefensee 1996; Pereda et al. 2009). In allen Studien sind Mädchen deutlich häufiger betroffen als Jungen. (Zu den repräsentativen Daten für die BRD s. Beitrag von S. Herzig in diesem Heft, d. Red.)

Die Angaben zur Häufigkeit von sexuellem Missbrauch schwanken bei Berücksichtigung internationaler Veröffentlichungen zwischen 3% und 31% bei Männern, zwischen 4% und 62% bei Frauen. Gloor und Pfister (1996) stellten fest, dass die Erfassung des genauen Ausmaßes auch nach 20jähriger Forschung noch immer nicht möglich ist. Regionale Unterschiede in den Prävalenzraten, allein innerhalb der USA, warnen davor, dortige Verhältnisse auf Deutschland übertragen zu wollen. Die meisten ausländischen Studien setzen außerdem die obere Altersgrenze der Kindheit höher als im deutschen Strafrecht definiert (unter 14 Jahre, § 176 StGB). Bei der Beurteilung der Prävalenzraten in Deutschland ist zu bedenken, dass Zahlen aus dem strafrechtlichen Kontext nicht unmittelbar mit Ergebnissen aus sozialwissenschaftlichen Untersuchungen verglichen werden können, da unter dem § 176 StGB andere Fälle von sexuellem Missbrauch behandelt werden als in der sozialwissenschaftlichen Forschung. Richter-Appelt (1997) erinnert daran, dass rein statistische Angaben zur Häufigkeit von Kindesmisshandlungen irreführend sein können, da die jeweils zugrunde gelegten Handlungen differieren und aus dem sonstigen Kontext abstrahiert werden. Die Fülle der Medienberichte suggeriert einen deutlichen Anstieg von sexuellen Kindesmisshandlungen. Man geht jedoch davon aus, dass die Häufigkeit von sexuellem Missbrauch nicht wirklich angestiegen ist, sondern dass die Sensibilisierung für diese Problematik zugenommen hat (vgl. Föll et al. 2002).

In bisherigen Studien haben Missbrauchserfahrungen in Institutionen eine untergeordnete bis gar keine Rolle gespielt. Dies mag einerseits daran liegen, dass die meisten Studien bei Mädchen beziehungsweise Frauen durchgeführt wurden, aber auch, dass in den letzten Jahren vor allem auf das familiäre Umfeld besonders geachtet wurde, das lange Zeit vernachlässigt war.

Unter juristischen Gesichtspunkten interessieren vor allem die strafbaren Handlungen; unter psychologischen geht es vor allem um die Frage, welche Kinder, Jugendliche oder Erwachsene mit welcher Vorgeschichte unter welchen Bedingungen mit welchen Personen welche Situationen erleben, die zu kurz- oder langfristigen negativen Folgen führen. Ganz entscheidend ist dabei, dass ein und dieselbe Straftat zu ganz unterschiedlichen Folgen und Traumatisierungen führen kann.

In diesen Definitionen spielt die sexuelle Handlung die zentrale Rolle. Die folgenden Ausführungen sollen deutlich machen, dass nicht nur sexuelle Handlungen zu einer Traumatisierung der Sexualität führen können. Diese ergänzenden Aspekte spielen jedoch in der modernen Strafgesetzgebung und der sogenannten Missbrauchsdiskussion praktisch keine Rolle.

Missbrauch und Traumatisierung

Richter-Appelt (2001) unterscheidet zwischen sexueller Traumatisierung – Traumatisierung durch die Sexualität – und Traumatisierung der Sexualität. Sexuelle Traumatisierung geschieht entweder durch die ungewollte Konfrontation mit der Sexualität anderer sowie durch die Androhung oder Durchführung sexueller Handlungen gegen den Willen einer Person, aber auch durch Überstimulierung des Opfers (z.B. übermäßige Stimulation des Säuglings beim Wickeln), die nicht unbedingt mit einer sexuellen Reaktion beim Täter einhergehen muss. Auch muss nicht jede Traumatisierung durch sexuelle Reize zu einer Beeinträchtigung von Sexualität führen. Es können auch andere Folgeerscheinungen wie Angst, Depressionen, Suizidgedanken oder -versuche auftreten.

Die Sexualität wiederum kann auch durch andere nicht sexuelle Erfahrungen im eigentlichen Sinn traumatisiert werden, wie etwa durch Unterstimulierung (z.B. Vermeiden körperlicher Berührungen). Auch fehlende Wissensvermittlung in Kombination mit sozialer Isolation bei gleichzeitiger Entwertung jeglicher Form von Sexualität kann zu Traumatisierungen führen. Die Traumatisierung der Sexualität muss also keineswegs durch sexuelle Handlungen geschehen. Unter juristischen Gesichtspunkten geht es um das Rechtsgut einer ungestörten sexuellen Entwicklung junger Menschen (§ 176 StGB). Sexuelle Vernachlässigung (Unterstimulierung) wird jedoch nicht als Straftatbestand angesehen.

Traumatisierungen durch sexuelle Reize
Die meisten Kinder, die in unerwünschter Weise mit der Erwachsenensexualität konfrontiert werden, werden mit der Sexualität eines Mannes konfrontiert. Dies bedeutet keineswegs, dass nicht auch Frauen im Bereich der Sexualität vor allem bei der Kindererziehung, aber auch in sexuellen Beziehungen, traumatisierend sein können, sie setzen dabei jedoch weniger ihre eigene Sexualität ein als Männer. Diese Konfrontation kann mit oder ohne körperliche Berührung, mit und ohne Gewaltanwendung stattfinden. In letzter Zeit wird oft jede Form eines sexuellen Übergriffs als Gewaltanwendung bezeichnet. Dies differenziert jedoch zu wenig den großen Unterschied zwischen »zärtlich« erscheinenden und mit groben Verletzungen einhergehenden Grenzüberschreitungen. Es kann sich um reale Sexualität oder um Sexualität durch den Einsatz medialer Hilfsmittel wie pornografischer Filme und Bilder handeln.

Die Reaktion auf die Erwachsenensexualität führt in manchen Fällen zu Neugierde (z.B. für das männliche Genitale als Folge einer Begegnung mit einem Exhibitionisten), manchmal sogar zu einem sehr ausgeprägten Interesse für Sexualität. Immer wieder wird beschrieben, dass Kinder, die sexuelle Missbrauchserfahrungen gemacht haben, in vermehrtem Maße sexuelle Ausdrücke in ihren Wortschatz aufnehmen, andere Kinder in zweideutiger Weise berühren, Interesse für Prostitution entwickeln (Schloredt/Heiman 2003). Nicht selten spielte bei diesen Kindern das Erleben sexueller Erregung während der Konfrontation mit der Erwachsenensexualität eine Rolle, die Angst, Unsicherheit, aber auch sexuelle Lustgefühle hervorrief. Es kann zu einer Sexualisierung des Bewusstseins gekommen sein. Die Reaktion auf die Erwachsenensexualität führt somit in manchen Fällen später eher zu einer Sexualisierung, in anderen eher zu einer Hemmung sexueller Fantasien und Erlebnismöglichkeiten, manchmal auch zu einem Nebeneinander von beidem.

Die sexuelle Erregung beim Kind (vor allem die bei kleinen Jungen sichtbare) führt manchmal dazu, die kindliche Erregung als ein Zeichen dafür anzusehen, dass das Kind durchaus Interesse oder Lust an der sexuellen Situation hat. Außer Acht gelassen wird dabei, dass Erregung nicht nur ein Zeichen sexueller Lust, sondern auch Ausdruck von Angst sein kann. Die sichtbare sexuelle Erregung (nicht gleichzusetzen mit subjektiv empfundener Lust) des Kindes kann wiederum zu einer sexuellen Erregung des Erwachsenen führen. In der Missbrauchssituation kann also eine Wechselwirkung zwischen kindlicher Erregung und sexueller Erregung beim Erwachsenen entstehen. Die Beschreibung einer Missbrauchssituation sollte sich nicht ausschließlich auf die »Befriedigung der Bedürfnisse des Mächtigeren« beschränken, da dann das sexuelle Erleben des Kindes unberücksichtigt bleibt. Gleichwohl können aber Kinder in einer für sie traumatisierenden Situation durchaus auch eigene Bedürfnisse befriedigen. Früher wurde oft behauptet, ein sexuell impotenter Mann könne nicht sexuell missbrauchen, da er ja nicht sexuell erregt werden könne. Er kann aber dennoch traumatisierend mit einem Kind umgehen. Die Argumentation macht deutlich, wie wichtig es ist, die Seite des Kindes im Auge zu behalten.

Sexuelle Stimulierung und Erleben von sexueller Erregung
Während die Beschäftigung mit sexueller Stimulierung durch erwachsene, meist männliche Personen im Bereich der Sexualstraftaten und in der Psychotherapie eine wichtige Rolle spielt, wissen wir relativ wenig über das Problem der Über- (und Unter-)stimulierung im Genitalbereich bei der Erziehung kleiner Kinder, die noch keine Sprache erlangt haben. Es gilt als allgemein anerkannt, dass das Gedächtnis nicht erst mit dem Spracherwerb einsetzt, sondern bereits lange vor der Fähigkeit Dinge zu benennen. Es gibt somit ein vor sprachliches und ein Körpergedächtnis. Untersuchungen der Säuglingsforschung haben in diesem Punkt die Annahme der Psychoanalyse, dass Entwicklungsprozesse, die vor dem Spracherwerb stattfinden, die psychosexuelle Entwicklung beeinflussen, bestätigt (Dornes 1993). Die Traumatisierung der Sexualität kann somit bereits vor dem bewussten Erleben von Körpervorgängen stattfinden. Bei regelmäßiger Überstimulierung wird ein Kind in dem Moment, in dem es bewusst die Körpervorgänge wahrnimmt, Überstimulierung und Übererregbarkeit nicht als etwas Ungewöhnliches erleben, da es diese immer schon erfahren hat. Diese Kinder können später beispielsweise ein suchtartiges Verlangen nach sexueller Erregung (z.B. dranghaftes Masturbieren etc.) entwickeln.

Traumatisierung der Sexualität durch nicht sexuelle Reize
Obwohl es sich bei der Traumatisierung der Sexualität nicht immer um sexuellen Missbrauch handelt, soll diese hier Erwähnung finden. In der öffentlichen Diskussion der letzten Jahre spielte die Angst vor einer unkontrollierten, impulsartigen »perversen« männlichen Sexualität eine zentrale Rolle. Wenig Berücksichtigung fanden Aspekte der psychosexuellen Entwicklung, die zu einer Störung der Sexualität durch Unterdrückung, Bestrafung führen. Frauen als »Täterinnen« im Rahmen der Erziehung spielen sicherlich hier eine bedeutsame Rolle.

Schüren der Angst vor der Sexualität
Im Zusammenhang mit der Diskussion um den sexuellen Missbrauch wurde immer wieder die Notwendigkeit betont, wie wichtig es sei, unerkannten sexuellen Missbrauch aufzudecken, oft auch ohne zu reflektieren, welche Konsequenzen das Aufdecken eines Missbrauchs für das betroffene Kind selbst haben könnte. Folgt man der Missbrauchsdiskussion, lauert hinter allen möglichen Ereignissen und Situationen die gefährliche, meist männliche Sexualität. Es kann sich aber auch eine übertriebene Angst von Erziehern vor körperlicher Berührung von Kindern im Genitalbereich oder die Bestrafung von Selbstbefriedigung oder Doktorspielen im Kindesalter negativ auswirken.

Fehlende Grenzziehung und gestörte Schamentwicklung
Schon früh versuchen Kinder, Erwachsene »zu verführen«, sie dazu zu bringen, Bedürfnisse nach Nähe und Zärtlichkeit zu befriedigen. Sie wollen auf den Arm genommen, gestreichelt, liebkost werden. Fehlende Grenzziehungen im Körperkontakt und die Behinderung einer gesunden Schamentwicklung in der Familie können ebenfalls zu einer Traumatisierung der Sexualität führen. Wenngleich immer wieder angenommen wurde, Kinder, die Opfer von sexuellen Übergriffen werden, seien emotional und körperlich vernachlässigt und misshandelt, wissen wir heute, dass auch das Erlernen von Zurückweisungen und Grenzen im körperlichen Umgang in Familien mit grenzüberschreitendem Verhalten nicht eindeutig vermittelt werden. Berichten Kinder aus solchen Familien von Übergriffen durch andere, werden diese oft bagatellisiert, als nicht so schwerwiegend angesehen und nichts unternommen, um das Kind in Zukunft zu schützen (z.B. der Besuch bei einem Großvater, der körperlich zu große Nähe herstellt oder einfordert).

Diese Ausführungen machen deutlich wie eingeschränkt unsere Sichtweise sexueller Traumatisierungen ist, wenn wir uns nur auf den sexuellen Missbrauch beschränken. Bestrafungen und Verbote fallen nicht darunter und werden, wenn überhaupt, wegen der körperlichen Züchtigung, nicht wegen der Traumatisierung der Sexualität bestraft.

II. Pädosexualität und Pädophilie

Begriffsbestimmung

Auch wenn in der Fachsprache der Begriff »Pädophilie« verwendet wird, erscheint uns der Begriff der Pädosexualität geeigneter, um das Phänomen zu beschreiben, da es ja nicht um die Liebe zum Kind, sondern vielmehr um Sexualität mit Kindern geht (vgl. Beitrag von Ch. Ahlers und G. Schaefer in diesem Heft, d. Red.).

In der von der Weltgesundheitsorganisation herausgegebenen Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD10) werden alle wiederkehrenden intensiv sexuell erregenden Fantasien, dranghaften Bedürfnisse oder Verhaltensweisen, die sexuelle Handlungen mit einem Kind beinhalten, als pädophil bezeichnet, wenn sie über eine Zeitspanne von mindestens sechs Monaten bestehen und zum Leiden des Betreffenden in direkter oder indirekter Form führen. Nach enger gefassten Definitionen handelt es sich bei Pädophilen um Männer, deren sexuelle Wünsche und Bedürfnisse nach Beziehung und Liebe sich vorrangig oder ausschließlich auf Kinder vor der Pubertät richten.

Diese Definition liegt näher an der von Richard von Krafft-Ebing, der die »Paedophilia erotica« 1890 als erster beschrieb. Bereits Krafft-Ebing grenzte die Paedophilia erotica von Missbrauchsformen ab, bei der »alte, unterlegene und impotent gewordene Männer sich auf ein so minderwertiges Sexualobjekt (wie ein Kind) verstehen«. Bei dieser zweiten Form von »Pädophilie« wird der reaktive Charakter hervorgehoben, das Ausweichen auf ein Objekt der Begierde, das aus einem Gefühl der Unterlegenheit gegenüber anderen männlichen Rivalen gewählt wird.

Typologien von Missbrauchstätern

Seither ist eine Fülle von Typologien veröffentlicht worden (Briken et al. 2005; Berner et al. 2007). Meist wird eine kleine Gruppe von sexuell an Kindern Interessierten abgegrenzt, deren Interesse als konstant und von der Pubertät an bestehend eingestuft wird. Sie werden als die »Fixierten« oder die »Kernpädophilen« bezeichnet und ihr Anteil liegt je nach Selektionskriterien (z.B. unausgelesene Missbrauchstäter oder Verurteilte/mit rechtlicher Behandlungsauflage) der untersuchten Gruppe zwischen 12% und 50%. Dieser ersten Gruppe steht eine Vielzahl anderer Typen gegenüber, bei denen das sexuelle Interesse sehr unterschiedlich gestaltet sein kann, und die sich vereinfachend in zwei Gruppen zusammenfassen lassen: Die »Reaktiven«, die nach Frustration in Erwachsenenbeziehungen den leichter dominierbaren kindlichen Partner als Ersatz wählen – sie werden auch die »Regressiven« genannt – und die schwer bindungsgestörten »sozial Desintegrierten« oder »Antisozialen«, die relativ wahllos Partner für ihre Befriedigung nutzen. Zu den »Regressiven« können zum Beispiel randständige Jugendliche gehören, aber auch Menschen, die durch berufsbedingten intensiven Kontakt zu Kindern und ihr pädagogisches Interesse leichter in die Situation geraten, Kinder als Ersatz zu »nutzen«, wenn sie in einer unbefriedigenden Partnerbeziehung frustriert werden. Aber auch die sogenannte »Alterspädophilie« gehört hierher, da es sich bei abnehmen der Potenz oder bei Abnahme kognitiver Kapazität anbieten kann, die leichter beeindruckbaren kindlichen Partner für die noch vorhandenen erotischen Interessen zu »benutzen«.

Das reaktive Element scheint bei der dritten Gruppe von sexuell an Kindern Interessierten eine geringere Rolle zu spielen. Es handelt sich um Personen, deren sexuellen Bedürfnisse weitgehend vom Beziehungsbedürfnis (Gefühl von Intimität, Geborgenheit und Sicherheit) abgekoppelt bleiben. Sie nutzen relativ wahllos erscheinend jede Art sexueller Stimulierung zur »Tröstung« oder »Belohnung« bei Spannungszuständen oder in frustrierenden Situationen. Sie erweisen sich so gut wie immer selbst als »unsicher gebunden«, und zwar noch häufiger im Sinne einer Vermeidung von Bindung als im Sinne ängstlicher Bindungsgefühle.

Psychosoziale Ursachen

Wie schon aus den oben angeführten Typologien zu sehen ist, muss man neben einer sehr hypothetischen konstitutionellen Komponente von einer ganzen Reihe weiterer »Teilursachen« ausgehen, die eine Entwicklung pädosexueller Interessen begünstigen können (Berner/Briken 2007; Berner et al. 2007). Finkelhor (1984) hat unter Berücksichtigung der vorliegenden empirischen Befunde die möglichen Ursachen systematisch in vier Gruppen aufgelistet. Prinzipiell ist auch nach über 25 Jahren dieses »Ursachenspektrum« noch durchaus einleuchtend.

4-Faktoren-Modell zur Genese pädosexuellen Interesses
(nach Finkelhor 1984)

  • Entwicklung der sexuellen Erregung: Frühes Modellernen, Fehlattribuierung von Erregung, traumatische sexuelle Erfahrungen in der Kindheit
  • Emotionale Kongruenz mit dem Kind: Verzögerte emotionelle Entwicklung, Bewältigung des eigenen Traumas durch Neuinszenierung, geringes Selbstwertgefühl, besonderes Macht- und Kontrollbedürfnis
  • Blockaden von altersgemäßen sexuellen Interessen: »Kastrationsangst«, traumatische sexuelle Erfahrungen mit Erwachsenen, sexuelle Angst, unzureichende soziale Fertigkeiten
  • Enthemmung: Senilität, Alkohol, Psychosen, mangelnde »Inzest«-vermeidende Mechanismen.

Die individuelle Entwicklung sexueller Erregbarkeit und die Traumatisierung in der Kindheit
Die physiologische Reaktion auf das »sexuelle Signal« ist die gemeinsame Endstrecke einer Reihe von Bedingungen. Eine gewisse genetisch beeinflusste Lernbereitschaft wird unter bestimmten hormonellen Konstellationen (Pubertät) zur Partnerwahl führen, wobei dieser Lernvorgang von der Verarbeitung traumatischer Erfahrungen (Missbrauch, Misshandlung) bis zum Lernen am Modell (Verhalten von Vorbildern) stark beeinflusst wird. Nach langen wissenschaftlichen Kontroversen über die Bedeutung von Missbrauch und Misshandlung für die sexuelle Entwicklung können neuere Arbeiten (z.B. Jespersen et al. 2009; Salter et al. 2003; Glasser et al. 2001) als starke Belege für eine Begünstigung einer Entwicklung zum Kinder Missbrauchenden durch das eigene Erleben sexuellen Missbrauchs beziehungsweise körperlicher Misshandlung gewertet werden. Salter et al. (2003) haben in einer prospektiven Untersuchung an 224 missbrauchten Jungen zeigen können, dass 12% von ihnen im frühen Erwachsenenalter selbst zu Missbrauchstätern geworden sind, was nach unterschiedlichen Schätzungen (je nach dem ob man versucht, das Dunkelfeld mit zu berücksichtigen oder nicht) einen zumindest doppelt so hohen bis 50-mal höheren Wert als bei einer unselektierten Population darstellt. Glasser et al. (2001) hat an 747 Patienten einer forensischen Poliklinik zeigen können, dass Missbrauchstäter wesentlich häufiger selbst Opfer von sexuellem Missbrauch waren (35%) als die anderen kriminell gewordenen Patienten (11%). Zumindest für die Missbrauchsopfer, die später zu Tätern werden, scheint die psychoanalytische Theorie, dass sexuelles Begehren oft eine Niederlage in der Kindheit in einen Triumph im Erwachsenenalter umkehrt, zuzutreffen. In der Metaanalyse von Jespersen et al. (2009) hatten Sexualstraftäter ein 3,36-fach erhöhtes Risiko gegenüber Straftätern ohne sexuelle Delikte, selbst in der Vergangenheit Opfer sexuellen Missbrauchs gewesen zu sein.

Emotionelle Kongruenz mit Kindern
Dieser Faktor gilt wieder nur für einen Teil der an Kindern sexuell Interessierten. Es handelt sich um Menschen, deren »pädagogischer Eros« eine starke Identifikation mit dem kindlichen Denken beinhaltet. Dies gilt etwa für manche Kinderbuchautoren wie Charles Lutwidge Dodgson, der unter seinem Pseudonym Lewis Carroll die weltberühmte »Alice im Wunderland« schuf. Die meisten von ihnen verbringen sehr viel Zeit mit Kindern, bevor es zu oft nur sehr eingeschränkten sexuellen Handlungen (Streicheln des kindlichen Körpers) kommt. Bei dieser Gruppe von sexuell an Kindern Interessierten hat man häufiger den Eindruck, dass das sexuelle Interesse mehr vom Beziehungswunsch her in Gang gesetzt wird als umgekehrt, dass sexuelles Begehren den Beziehungswunsch motiviert.

Blockade in der Entwicklung hetero- oder homosexueller Interessen
Wenn es sich auch nachträglich meist nicht klären lässt, was in der Entwicklung des pädosexuellen Interesses zuerst kam, das Interesse an kindlichen Körpern oder die Erfahrung, bei Erwachsenen keine Lust zu empfinden, so gibt es viele Fälle, in denen das »Ausweichen auf Kinder« sehr offensichtlich scheint. In mehreren der oben erwähnten Typologien ist der »kontaktarme« Jugendliche – manchmal auch durch Unterbegabung gehandicapt – erwähnt. Noch komplexer scheint die Situation in Fällen, in denen beim Jugendlichen eine tiefe Unsicherheit über die eigene sexuelle Orientierung besteht. Die »Dates« mit Mädchen verlaufen regelmäßig enttäuschend, die sexuelle Attraktivität von Gleichgeschlechtlichen wird zwar wahrgenommen, aber gleichzeitig gefürchtet. In solchen Fällen kommt es nicht selten zu einer Beziehung zu einem viel Jüngeren, dessen sexuelle Unreife wie ein Kompromiss zwischen männlichen und weiblichen Reizen erlebt wird.

»Enthemmung« durch Senilität oder Alkohol
Von vielen Autoren wird die erst im Alter auftretende Pädophilie beschrieben. Bei ihr ist das »Ausweichen« auf Kinder, weil die trotz Nachlassen der Potenz noch vorhandenen sexuellen Wünsche mit Erwachsenen nicht mehr realisiert werden können, besonders deutlich. Das Gleiche dürfte auch für die Enthemmung bei manchen Alkoholkranken gelten.

Antisozialität und Sadismus
Von Menschen mit ausgeprägter Antisozialität, die ganz auf unmittelbare Bedürfnisbefriedigung ausgerichtet sind, werden Bindungs- beziehungsweise Verpflichtungsgefühle oft stark vermieden. Bei ihnen können sich sowohl sexuell libidinöse als auch sadistisch destruktive Bedürfnisse auf beliebig wirkende Objekte – Kinder wie Erwachsene, Mädchen wie Jungen, Frauen wie Männer – richten, von denen sie meist von vorne herein Ablehnung erwarten oder die sie massiv um ihr vermeintliches besseres Schicksal beneiden.

Der Sadismus als eigenständige Störung der sexuellen Präferenz wird häufiger in Kollektiven von Sexualstraftätern gefunden als in Kollektiven von psychiatrischen Patienten (bei denen man dafür häufiger Masochismus antrifft) und ist bei den Straftätern häufig auch mit der Antisozialität verbunden. Sadismus wird zwar eher im Zusammenhang mit einer erwachsenen Partnerwahl angetroffen, zu einem nicht kleinen Teil aber auch im Zusammenhang mit kindlichen Opfern.

Integrative Modelle
Auch in neueren integrativen Pfadmodellen wie dem von Ward und Siegert (2002) werden ähnliche Hauptfaktoren genannt, die zu Kindesmissbrauchsdelikten führen können:

  • Intimitätsdefizite
  • Störung des sexuellen Erregungsmusters
  • Antisozialität
  • emotionale Dysregulation.

Zwar soll jeweils ein anderer Hauptfaktor für die Entstehung von besonderer Bedeutung sein, meistens spielen aber auch die anderen in unterschiedlicher Gewichtung eine Rolle oder können in Kombination vorkommen.

Verhalten im Vorfeld sexueller Missbrauchstaten
Oft werden im Vorfeld sexueller Missbrauchstaten Formen der Kontaktaufnahme (»Grooming« ) gewählt, die manipulativen oder verstärkenden Charakter haben und sexuelle Handlungen zwischen Erwachsenen und Kindern anbahnen, normalisieren oder bagatellisieren. Dazu gehört unter anderem die Kontaktaufnahme speziell zu Kindern aus sozial problematischen, instabilen Verhältnissen, in denen wenig emotionale, zeitliche und unter Umständen auch materielle Unterstützungsmöglichkeiten bestehen. Potenzielle Täter können sich dann durch außergewöhnliches Interesse, viel Zeit, materielle Zuwendungen (z.B. Handys, teuere Spiele) und besondere Unternehmungen (z.B. Ausflüge, Zelten, Übernachtungen) annähern. Kontaktaufnahmen können insbesondere über das Internet leicht geschehen – hier auch unter der Annahme falscher Identitäten. Manchmal werden spezifisch Tätigkeiten gesucht, in denen der (u.U. enge körperliche) Kontakt die Rahmenbedingung ist wie etwa Baby-/Kindersitten oder sportpädagogische Tätigkeiten. Das Zeigen oder gemeinsame Ansehen von Pornografie oder Filmen mit erotischen Szenen kann dazu dienen, eine sexualisierte Atmosphäre zu schaffen und für sexuelle Verhaltensweisen ein gemeinsames Nachahmen anzuregen.

Insbesondere wenn ein Kind von einem Erwachsenen, für den das nicht angemessen erscheint, besondere Geschenke erhält, ein Erwachsener sich außergewöhnlich häufig an Orten mit Kindern aufhält und versucht, die elterlichen Einflussmöglichkeiten zu untergraben, ein Kind im Internet oder über das Telefon immer wieder Kontakt zu einer den Eltern unbekannten erwachsenen Person hat und sich gleichzeitig aus familiären und freundschaftlichen Beziehungen zurückzieht, kann Wachsamkeit angezeigt sein.

Gleichzeitig erleben wir gerade gegenwärtig eine Zeit, in der wir Gefahr laufen, im Umgang mit Sexualität sehr schnell Übergriffiges, Verwahrlostes oder Gefährliches wahrzunehmen. Dieses Spannungsverhältnisses zwischen notwendiger Verantwortung und Entdramatisierung sollten sich insbesondere die professionell mit Betroffenen und Tätern Umgehenden immer bewusst sein.

Kognitive Verzerrungen, Störungen der Empathie und Schuldgefühle
Eine Besonderheit von Personen, die Kinder sexuell missbrauchen, aber auch derjenigen, die selbst missbraucht worden sind, ist es, dass sie oft wenig oder kaum Gespür dafür entwickelt haben, wann ihnen etwas Verletzendes angetan wurde oder wird, wann Grenzen, die für eine gesunde Entwicklung nötig sind, nicht eingehalten wurden oder werden. Das betrifft in besonderem Maße die Sexualität, worunter aber keineswegs nur genitale Handlungen zu verstehen sind. Sexualität im Erwachsenenalter geht dann oft nicht mit Intimität einher, sondern verhindert Nähe und Beziehungen.

Ein Thema, das dabei im Zusammenhang mit sexuellen Übergriffen eine entscheidende Rolle spielt, ist der Umgang mit Schuld und Schuldgefühlen (vgl. Hirsch 1997). Wiederholt wurde beschrieben, dass Erwachsene, die in der Kindheit sexuell missbraucht worden waren, noch im Erwachsenenalter Schuldgefühle haben, sich auf sexuelle Handlungen eingelassen zu haben, wenngleich sie gar keine Schuld treffen kann, da sie zum Zeitpunkt des Missbrauchs viel zu jung waren, um zu begreifen, worum es ging. Dieses Phänomen wurde in eindrücklicher Weise von Ferenczi (1932/2004) in seiner Arbeit zur Sprachverwirrung zwischen den Erwachsenen und dem Kind beschrieben und als Introjektion des Schuldgefühls des Erwachsenen beziehungsweise als Identifikation mit dem Agressor bezeichnet. Personen, die missbrauchen, nutzen dies aus, indem sie entweder behaupten, das Kind habe sie zu Handlungen verführt oder sie üben Druck auf das Kind aus, dass falls der Missbrauch bekannt würde, das Kind am Zerbrechen der Familie Schuld sein würde.

Patienten und Patientinnen, die Übergriffe getätigt haben, berichten auch häufig Erlebnisse, bei denen der Therapeut oder die Therapeutin Schuldgefühle beim Patienten erwarten würde, da es zu Grenzüberschreitungen vonseiten des Patienten, der Patientin gekommen ist. Diese Schuldgefühle treten aber manchmal nur beim Therapeuten in der Gegenübertragung auf, während sie beim Patienten nicht beobachtet werden. Das Übertreten von Grenzen wird nicht als solches empfunden.

Das Erleben von Schuld und Schuldgefühlen ist eng mit dem Umgang mit Normen verknüpft (Richter-Appelt 2009). Besteht eine Verunsicherung hinsichtlich des Umgangs mit Normen, können Schuldgefühle an Stellen auftreten, an denen ein Außenstehender sie gar nicht erwarten würde, andererseits Schuldgefühle in Situationen fehlen, in denen sie durchaus angebracht wären. So ist es auch zu verstehen, dass »Täter« so oft kein Gespür dafür haben (sogenannte kognitive Verzerrungen, Störungen der Empathie; Berner et al. 2007), dass sie Kindern etwas antun, wenn sie mit ihnen sexuelle Handlungen begehen, auch wenn die Kinder sich nicht wehren.

 

Literatur

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Föll, T./Mertens, D./Richter-Appelt, H./Richter, R. (2002): Sexueller Kindesmissbrauch als Thema in der Kinderarztpraxis. Zeitschrift für Sexualforschung, 3, S. 193–210
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Jespersen, A. F./Lalumière, M. L./Seto, M. C. (2009): Sexual abuse history among adult sex offenders and non-sex offenders: A meta-analysis. Child Abuse and Neglect, 33, S. 179–192
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Autoren

Prof. Dr. med. Peer BrikenProf. Dr. med. Peer Briken ist Psychiater, Forensischer Psychiater, Psychotherapeut und Sexualwissenschaftler. Er ist seit April 2010 Direktor des Instituts für Sexualforschung des Universitätsklinikums in Hamburg-Eppendorf, Erster Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung und Mitherausgeber der Zeitschrift für Sexualforschung. Seine Tätigkeitsschwerpunkte sind u.a. die Behandlung, Begutachtung und Forschung im Bereich sexueller Delinquenz, wozu er zahlreiche Beiträge publizierte.

Prof. Dr. Hertha Richter-Appelt

Prof. Dr. Hertha Richter-Appelt, Psychologische Psychotherapeutin, Psychoanalytikerin (DPV), ist zweite Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung. Sie ist stellvertretendes Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats Psychotherapie der Bundespsychotherapeutenkammer und der Bundesärztekammer und hat zahlreiche Publikationen zur Psychoendokrinologie, Psychologischen Diagnostik, Psychotherapie, sexuellen Traumatisierungen, Intersexualität und Transsexualität verfasst.

 

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