Wohin wenden sich junge Leute, wenn sie Rat brauchen, und was wollen sie wissen?

Eine Studie über die Präferenzen englischer Teenager bei der Sexual- und Beziehungsberatung¹

Die in diesem Artikel präsentierten Forschungsdaten geben Aufschluss über die Informationsquellen, die junge Menschen nutzen, wenn sie Rat in sexuellen Fragen und bei Beziehungsproblemen suchen, die Themen, zu denen sie Beratung wünschen und schließlich die Auswirkungen sexueller Erfahrungen auf die Wahl der Informationsquellen und Beratungsthemen.

Jugendliche gelten als spezifische Problemgruppe mit hohem sexuellen Beratungsbedarf (Weyman 2003). Großbritannien hat eine der höchsten Schwangerschaftsraten bei Teenagern in Europa (Adamson/Brown/Micklewright et al. 2001). Die neuesten, 2009 veröffentlichten Daten belegen einen Anstieg der Konzeptionsrate bei unter 18-Jährigen zwischen 2006 und 2007 (Office for National Statistics 2009). Auch die Rate der Infektionen mit sexuell übertragbaren Krankheiten soll bei Teenagern im Steigen begriffen sein (Health Protection Agency 2008; Nwokolo et al. 2002). Angesichts dieser Fakten wurde die Verbesserung der gesundheitlichen Aufklärung bei jungen Menschen zur nationalen Priorität (Department of Health 2008). Die britische Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, die Konzeptionsrate bei unter 18-Jährigen von 1998 bis 2010 um 50% zu senken, allen Patientinnen mit dem Wunsch nach einer »GUM« 2. Untersuchung innerhalb von 48 Stunden einen Termin zu verschaffen, die Diagnoserate von Gonorrhö zu senken und die Teilnahme junger Menschen zwischen 15 und 24 Jahren am Chlamydien-Screening zu erhöhen (Department of Health 2008).

Medizin, Forschung und Pädagogik haben sich auf die Bereitstellung hochqualifizierter Informationsvermittlung und Beratung (Sprecher/Harris/Meyers 2008) als eine der wichtigsten Maßnahmen zur Verbesserung der sexuellen Gesundheit junger Menschen konzentriert (Weyman 2003; Lester 2006). Dies schlug sich auch in der Gesetzgebung nieder. Im Oktober 2008 verkündete die britische Regierung, dass eine umfassende Sexualerziehung im Rahmen eines verbindlichen Curriculums für alle Schülerinnen und Schüler zur Pflicht wird (Department for Children, Schools and Families 2008). 

Wohin wenden sich junge Menschen, wenn sie in sexuellen Dingen Informationen und Rat suchen?

Bei den Beratungsbedürfnissen und -präferenzen junger Menschen besteht eine bemerkenswerte Diversität (Kane/Mcdowall 2003). Obgleich die Schule als wichtigstes Forum für Informationen über sexuelle Dinge und Beziehungsfragen gilt Billings/Hastie/Jenkins/Macvarish 2007), nutzen junge Menschen auch eine ganze Reihe anderer Quellen wie Familie, Freundinnen und Freunde sowie die Medien (Billings et al. 2007; Reznick/Tebb 2007). Ärztinnen und Ärzte, das Internet, die eigenen Väter und andere Verwandte werden mit geringster Wahrscheinlichkeit befragt (Reznick/ Tebb 2007).

Informationsbedürfnisse und -präferenzen variieren nachweislich unter dem Einfluss ganz bestimmter Faktoren wie Alter, ethnische Zugehörigkeit, familiäre Situation, Bildungsgrad und Geschlecht. So suchen Mädchen beispielsweise bevorzugt Rat bei anderen Frauen wie Freundinnen und Müttern – ein Muster, das sich bei den Jungen nicht wiederholt: Sie kommunizieren eher nicht mit Vätern, Freunden oder Onkeln über sexuelle Dinge (Billings et al. 2007). Eine genaue Kenntnis der Präferenzen in Relation zu Faktoren wie den oben genannten erlaubt uns, Informationsangebote sehr viel genauer auf bestimmte Zielgruppen zuzuschneiden. Dafür ist nicht nur die Frage wichtig, wohin sich Jugendliche Rat suchend wenden, sondern auch, welche Themen und Inhalte sie bevorzugt interessieren (Reznick/ Tebb 2008).

Sexuelle Erfahrungen junger Menschen

Die Mehrheit der 16- bis 19-Jährigen hatte bereits Geschlechtsverkehr (Wellings/Nanchahal/Macdowell et al. 2001); eine relativ große Minderheit ist schon vor dem 16. Lebensjahr sexuell aktiv (Wellings et al. 2001); entsprechende Untersuchungen legen nahe, dass fast 30% der Jungen und 26% der Mädchen vor ihrem 16. Geburtstag Geschlechtsverkehr hatten (Brook 2008). Sexuell aktive Jugendliche erachten die schulische Sexualerziehung als am wenigsten nützliche Quelle für Ratschläge/Informationen in Hinsicht auf sexuelle Fragen und Beziehungsprobleme, weil sie »zu spät« komme und wenig Bezug zu ihrer Lebensrealität habe (Buston/Wight 2002). Dies lässt darauf schließen, dass die Vorliebe für die verschiedenen Informationsquellen auch abhängig vom Grad der sexuellen Erfahrung variieren können (ebd.), doch sind erst sehr wenige Studien dieser Frage im Detail nachgegangen. In die Untersuchung der Präferenzen von Informationsquellen und Themen bei der Sexual- und Beziehungsberatung sollten daher auch Erhebungen über die sexuellen Erfahrungen junger Menschen einfließen.

Aus Sicht der gesundheitlichen Aufklärung ist es wichtig zu verstehen, wohin sich Jugendliche wenden, wenn sie Informationen über sexuelle Dinge einholen möchten (Reznick/Tebbs 2008). Obgleich die schulische Sexualerziehung die primäre Form der Sexual- und Beziehungsberatung darstellt, der Teenager in ihrem Alltag begegnen (Billings et al. 2007), machen die äußeren Bedingungen des Unterrichts im Klassenverband es äußerst schwer, auf die zwischen den Jugendlichen zweifellos bestehenden individuellen Unter schiede einzugehen. Privatsphäre und Vertraulichkeit sind in einem solchen Setting schlecht herzustellen. Dies deutet auf die Notwendigkeit hin, die Aufmerksamkeit nicht nur auf die schulische Sexualerziehung zu richten, sondern auch andere Methoden einzubeziehen, die Jugendlichen zur Verfügung stehen und von ihnen akzeptiert werden.

Ziele

Dieser Artikel möchte Einblicke in die Präferenzen und Erfahrungen junger Menschen hinsichtlich der Sexual- und Beziehungsberatung geben. Herausgestellt werden sollen primär:

  • (a) die Quellen, die sie nutzen, um Informationen über sexuelle Dinge und Beziehungsfragen einzuholen,
  • (b) die Themen, zu denen Beratungsbedarf besteht, und
  • (c) die mögliche Beeinflussung der präferierten Quellen und Themen durch die Faktoren Geschlecht und sexuelle Erfahrung.

Methode

Im Rahmen der Querschnittstudie wurden anonyme Fragebogen zum selbstständigen Ausfüllen an Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren an fünf Schulen, einem Jugendzentrum und in einer außerschulischen Lerngruppe ausgegeben. Die Schulen/Jugendgruppen stammten aus einer sozial gemischten Gegend mit halb ländlichem und halb städtischem Einzugsbereich. Die Schulen hatten ähnliche Charakteristika, das heißt es waren alles nicht-kirchliche, koedukative Gesamtschulen, die von 11- bis 18-jährigen Schüle rinnen und Schülern besucht werden.

Insgesamt nahmen 1270 Jugendliche an der Umfrage teil. Die Stichprobe umfasste zu gleichen Teilen männliche (49,6%) und weibliche (50,4%) Personen im Alter von 12 bis 18 Jahren. Das Modalalter (das häufigste Alter, d. Red.) lag bei 15 Jahren (35,5%).

Die Jugendlichen wurden gefragt, ob sie bereits sexuell aktiv gewesen seien. Von denen, die auf diese Frage antworteten (N=971/1270), konnte die Mehrheit (65,5%) als sexuell inaktiv klassifiziert werden.

Die Umfrage

Die Fragebogen umfassten Fragen zu demografischen Details, zur sexuellen Erfahrung (aktiv oder inaktiv), zur Selbsteinschätzung des eigenen Wissens über Sexualität und Beziehungen, zu bisher in Anspruch genommenen Quellen der Beratung und Information und zu den Themen, über die sie bisher Rat eingeholt hatten.

Ergebnisse

Wie schätzen die Jugendlichen ihr eigenes Wissen über Sexualität und Beziehungen ein?

Die Befragten wurden um eine Selbsteinschätzung des eigenen Wissens über Sexualität und Beziehungen gebeten. Von denen, die dies beantworteten, war eine große Mehrheit (89,1%) sich des eigenen Wissens sehr sicher und gab an, zu beiden Themen alles zu wissen, was zu wissen sei. In diesem Punkt gab es keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern oder den sexuell Aktiven und Inaktiven. 89,3% der Jungen und 89% der Mädchen schätzten ihr eigenes Wissen positiv ein; bei den sexuell Aktiven waren es 88,9%, bei den Inaktiven 89,7%.

Wo holen sich Jugendliche Rat?

Die Mehrheit derjenigen, die auf die Frage antworteten, gab am häufigsten an, Freunde (N = 625/1270) und Eltern/ Angehörige (N = 470/1270) in sexuellen Dingen und Beziehungsfragen konsultiert zu haben. Tabelle 1 zeigt die Ergebnisse im Detail.

Tab. 1 Quellen, die Jugendliche in sexuellen Dingen und Beziehungsfragen nutzen

Abb. 1 Von Jugendlichen genutzte Informationsquellen

Unterscheiden sich Jungen und Mädchen hinsichtlich der bevorzugten Informationsquellen?

Abbildung 1 zeigt, welche Quellen von Mädchen und Jungen konsultiert wurden. Chi-Quadrat-Tests3 ergaben, dass signifikant mehr Mädchen als Jungen Eltern/Angehörige (X 2 (1) = 53.331, P<0.001), Ärztinnen und Ärzte (X 2(1)=20.034, P<0.001), öffentliche Einrichtungen zur gesundheitlichen Aufklärung wie Brook (X 2 (1) = 6.540, P = 0.011), Lehrerinnen und Lehrer (X 2 (1) = 5.348, P = 0.021), Freundinnen und Freunde (X 2 (1) = 90.853, P<0.001) sowie Zeitschriften (X 2(1) = 91.766, P<0.001) als Informationsquellen genutzt hatten, während Jungen mit signifikant größerer Wahrscheinlichkeit angaben, keine der genannten Quellen konsultiert zu haben (X 2 (1) = 91.766, P<0.001).

Unterscheiden sich sexuell aktive und inaktive Jugendliche hinsichtlich der bevorzugten Informationsquellen?

 

Abb. 2 Von Jugendlichen konsultierte Informationsquellen

Abbildung 2 zeigt, welche Quellen von sexuell aktiven und inaktiven Jugendlichen konsultiert wurden: Sexuell Aktive haben signifikant mehr öffentliche Angebote wie Ärztinnen und Ärzte (X 2 (1) = 104.52, P<0.001), spezielle Einrichtungen wie Brook (X 2 (1) = 61.689, P<0.001) sowie Lehrerinnen und Lehrer (X 2 (1) = 12.770, P<0.001) als Informationsquellen genutzt, während sexuell Inaktive mit signifikant größerer Wahrscheinlichkeit angaben, auf informellere Quellen wie Freundinnen und Freunde (X 2 (1), = 5.238, P=""""" 0.02)" zurück gegriffen zu haben.  

Über welche Themen wollen Jugendliche informiert werden?

Von denen, die auf die Frage antworteten, wurden Beziehungs fragen (N = 292/1270) und Verhütung (N = 222/1270) am häufigsten genannt. Tabelle 2 zeigt die Ergebnisse im Detail.

Tab. 2 Themen, zu denen Jugendliche Rat eingeholt haben

Abb. 3 Themen, bei denen Beratungsbedarf bestand (nach Häufigkeit bei Jungen und Mädchen)

Unterscheiden sich Jungen und Mädchen hinsichtlich der Themen, zu denen sie Beratung wünschen?

Abbildung 3 führt die Themen auf, zu denen die Jugend lichen schon einmal Rat eingeholt haben. Es zeigen sich signifikante Korrelationen zwischen den Themen, bei denen Beratungsbedarf bestand, und dem Geschlecht der Jugendlichen, und zwar besonders dann, wenn es darum ging, einfach mit jemandem über sexuelle Dinge sprechen zu können (X 2 (1) = 23.468, P<0.001), zum Thema Verhütung um Rat zu fragen (X 2 (1) = 22.406, P<0.001), Rat zu Beziehungsproblemen einzuholen (X 2 (1) = 21.549, P<0.001) und Sex-Tipps zu bekommen (X 2 (1) = 14.028, P<0.001).

Unterscheiden sich sexuell Aktive und Inaktive hinsichtlich der Themen, zu denen sie Beratungsbedarf haben?

 

Abb. 4 Themen, bei denen Beratungsbedarf bestand (nach Häufigkeit bei sexuell Aktiven und Inaktiven)

Abbildung 4 führt die Themen auf, zu denen sexuell aktive und inaktive Jugendliche schon einmal Rat eingeholt hatten. Es zeigen sich signifikante Korrelationen zwischen den Themen, bei denen Beratungsbedarf bestand, und der sexuellen Erfahrung der Jugendlichen. Sexuell inaktive Jugendliche wollten mit signifikant größerer Wahrscheinlichkeit einfach mit jemandem über sexuelle Dinge sprechen können (X 2 (1) = 5.970, P = 0.01), Informationen zur Verhütung bekommen (X 2 (1) = 39.851, P<0.001) und zu ungeschütztem Sex Rat einholen (X 2 (1) = 31.661, P<0.001.

Diskussion

Die in diesem Artikel vorgestellten Forschungsdaten betreffen drei Bereiche: erstens die Informationsquellen, die junge Menschen nutzen, wenn sie Rat in sexuellen Fragen und bei Beziehungsproblemen suchen, zweitens die Themen, zu denen sie Beratung wünschen, und schließlich drittens die Auswirkungen sexueller Erfahrungen auf die Wahl der Informationsquellen und Beratungsthemen. Vor allem im dritten Bereich erschließt unser Beitrag neue Aspekte, da in der bisherigen Forschung das Geschlecht zwar bereits als Faktor herangezogen wurde (Billings et al. 2007), der jeweilige Grad der sexuellen Erfahrung jedoch noch nicht berücksichtigt wurde. Unstrittig ist, dass sexuelle Aufklärung, um wirksam sein zu können, möglichst genau an den Bedürfnissen und Interessen junger Menschen ausgerichtet sein muss (Aggleton/Campbell 2000). Aus diesem Grund sind die vorliegenden Ergebnisse für die angestrebten Verbesserungen bei der gesundheitlichen Aufklärung junger Menschen relevant.

Wohin wenden sich junge Menschen, wenn sie Rat brauchen?

In Übereinstimmung mit vorherigen Forschungsergebnissen (Reznick/Tebb 2007) haben die Jugendlichen, die an unserer Studie teilnahmen, Informationen zu sexuellen Fragen und Beziehungsproblemen bei Freundinnen und Freunden sowie Eltern und Angehörigen eingeholt. Mädchen konsultieren diese Informationsquellen mit größerer Wahrscheinlichkeit als Jungen – ein besorgniserregendes Ergebnis: Wenn Jungen die zur Verfügung stehenden Informationsquellen zu wenig nutzen, dürften sie schlechter in der Lage sein, in sexuellen Dingen gesundheitsfördernde Entscheidungen zu treffen. Zukünftige Studien würden von qualitativen metho -dischen Ansätzen profitieren um zu erforschen, wie sich Jungen stärker in die Sexual- und Beziehungsberatung einbinden lassen.

Sexuell aktivere Jugendliche konsultieren mit größerer Wahrscheinlichkeit öffentliche Einrichtungen wie Brook oder Ärztinnen/Ärzte, während sexuell inaktive Jugendliche sich mit größerer Wahrscheinlichkeit an informelle Quellen wie ihre Freundinnen und Freunde halten. Angesichts der Tatsache, dass die schulische Sexualerziehung alle jungen Menschen erreicht (Billings et al. 2007) und bald zum Pflicht-Curriculum gehört (Department for Children, Schools and Families 2008) erscheint es ratsam, in der Schule systematisch über weitere Quellen zu informieren, an die sie sich wenden können. Für die Schülerinnen und Schüler, die bereits sexuell aktiv sind, wären zum Beispiel Angaben über örtliche Beratungsstellen hilfreich.

Was wollen junge Menschen wissen?

Bei den Themen Beziehungen und Verhütung besteht der größte Beratungsbedarf – ein Ergebnis, das mit früheren Forschungsergebnissen übereinstimmt (Reeves et al. 2001). Mädchen suchen mit größerer Wahrscheinlichkeit Rat in sexuellen Fragen und Beziehungsproblemen. Sexuell inaktive Jugendliche wünschen sich mit größerer Wahrscheinlichkeit jemanden, mit dem sie einfach über sexuelle Dinge sprechen können sowie Informationen über Verhütung und ungeschützten Sex. Diese Ergebnisse bieten einen wichtigen Einblick in die Diversität der Informationsbedürfnisse und -präferenzen junger Menschen. Sie machen deutlich, dass es keinen Ansatz gibt, der für alle geeignet ist. Bildungsminister Jim Knight fordert schulische Lehrmethoden, die Entwicklungsunterschiede von Kindern und Jugendlichen berücksichtigen und die Option von Gesprächen unter vier Augen oder in kleineren Gruppen bieten (Department for Children, Schools and Families 2008). Gleichzeitig muss geklärt werden, was in der gesamten Klasse diskutiert werden kann und was nicht. Wie aus unseren aktuellen Ergebnissen und früheren Forschungsarbeiten hervorgeht, nutzen junge Menschen verschiedene Quellen, um sich über sexuelle Fragen zu informieren. Dieser Bedarf wird durch eine Reihe persönlicher Faktoren bestimmt. Die Vorstellung, dass die schulische Sexualerziehung die individuellen Bedürfnisse aller Jugendlichen hinsichtlich sexueller Fragen/Beziehungsprobleme abdecken kann, ist unrealistisch. Gleich zeitig ist klar geworden, dass die Schule nicht die einzige Informationsquelle ist, auf die sich Schülerinnen und Schüler stützen. Aus diesem Grund sollte der Schwerpunkt darauf gelegt werden, sie mit aktuellen Informationen über die Quellen auszustatten, die ihnen am meisten nützen könnten.

Der Faktor sexuelle Erfahrung

Obgleich zu den verschiedenen Quellen der Sexualerziehung bereits Studien durchgeführt wurden, sind die Präferenzen der Jugendlichen selbst in der Literatur bisher größtenteils ignoriert worden (Somers/Surman 2004; Macdowall/ Wellings/Mercer et al. 2006). Unsere Studie zeigt, welche Informationsquellen tatsächlich konsultiert werden und zu welchen Themen Beratungsbedarf besteht. Frühere Forschungsarbeiten haben gezeigt, wie wichtig es ist, Faktoren wie Geschlecht, Alter und ethnische Zugehörigkeit bei der Bereitstellung von Informationen über sexuelle Fragen und Beziehungsprobleme einzubeziehen (z.B. Reznick/Tebb 2007; Billings et al. 2007). Diese Studie unterstreicht, dass darüber hinaus Faktoren wie der Grad der sexuellen Erfahrung berücksichtigt werden müssen, um die bereitgestellten Informationen stärker an der Zielgruppe auszurichten.

Politische Entscheidungen über die Angebotsentwicklung und wissenschaftliche Studien über die Bedürfnisse junger Menschen basierten bisher auf der Annahme, dass diese spezielle Angebote für ihre Altersgruppe bevorzugen würden (Reeves/Whitaker/Parsonage et al. 2001). Diese Annahme muss jedoch neu überdacht werden. Ob ein Informationsangebot altersgerecht ist, schätzen junge Menschen als eher unwichtig ein (Reeves et al. 2001). Bei der sexuellen Erfahrung junger Menschen besteht – selbst innerhalb einer Altersgruppe – eine enorme Diversität (Brook 2008). Unsere Studie belegt, dass die Präferenzen hinsichtlich der Informationsquellen zwischen sexuell aktiven und nicht aktiven Jugendlichen stark variieren. Ein Informationsangebot für junge Menschen, das an deren sexueller Erfahrung und nicht nur deren Alter ausgerichtet ist, könnte die Versorgung von Jugendlichen mit adäquaten Informationen deutlich voranbringen.

Ein Schritt in die richtige Richtung

Der bisher vorherrschende Ansatz betont die Notwendigkeit, junge Menschen in den Einrichtungen zu beraten, in denen sie sich ohnehin befinden (Selwyn/Powell 2007); unsere Ergebnisse zeigen auf, wie man die Bemühungen um Prävention weiter bündeln könnte. Sie weisen darauf hin, dass ein gemeinschaftliches Vorgehen verschiedener Institutionen für die Förderung der sexuellen Gesundheit junger Menschen ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung wäre.

Ein Ansatz, der die Angebote verschiedener Kontexte, in die junge Menschen eingebunden sind (Familie, Schule, öffentliche Einrichtungen usw.) einbezieht, könnte am ehesten sicherstellen, dass sie die Informationen und Ratschläge bekommen, die sie tatsächlich wünschen und brauchen. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, dass etwa Medien, Angehörige, Lehrerinnen und Lehrer, öffentliche Beratungsstellen usw. ihre Anstrengungen auf spezifische Themen konzentrieren.

Die Diversität der Informationsbedürfnisse stellt die beteiligten Fachleute vor eine Herausforderung (Kane 2003), gilt es doch, bei der Vielzahl der bereitgestellten Informationen die richtige Balance zu finden, die individuellen Informationsbedürfnisse richtig einzuschätzen sowie Stil, Inhalt und Niveau der Angebote der Zielgruppe möglichst genau anzupassen (Kane 2003). Wir hoffen, dass Ergebnisse wie die in diesem Artikel präsentierten dazu beitragen werden, junge Menschen bedarfsgerecht zu informieren, damit sie für ihre sexuelle Gesundheit fundierte Entscheidungen treffen können. 

 

Fußnoten

1 Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt.
2 »Genito-urinary Medicine« – primär mit der Diagnose und Behandlung sexuell übertragbarer Krankheiten befasst (d. Red.)
3 Der Test prüft, wie vorliegende Daten auf die Befragten verteilt sind
(d. Red.)
 

 

Literatur

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Autoren

Kubra Choudhry

Kubra Choudhry ist Psychologin und als Forschungsassistentin am Applied Research Centre in Health and Lifestyle Interventions der Coventry University tätig. Die sexuelle Gesundheit von Teenagern unter dem Aspekt Ethnizität gehört zu ihren Arbeitsschwerpunkten.

 

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