Das SAFE-II-Projekt: »Sexual Awareness for Europe« ¹

Das europäische Netzwerk der International Planned Parenthood Federation2 (IPPF EN), das WHO-Regionalbüro für Europa und 14 europäische Mitgliedsorganisationen der IPPF EN gründeten eine Partnerschaft zur Förderung der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und Rechte (SRHR – Sexual and Reproductive Health and Rights) junger Menschen in ganz Europa. Das auf den Erfolgen von SAFE (Sexual Awareness for Europe, 2005–2007) aufbauende Projekt will ein Gesamtbild der in der Region wirksamen Muster und Trends unter europäischen Jugendlichen er stellen, um neue und innovative Ansätze dafür zu entwickeln, wie junge Menschen mit SRHR-bezogenen Informationen und Angeboten erreicht und politische Entwicklungen mit aussagekräftigen Daten versorgt, unterstützt und vorangebracht werden können.

Ziel des Projekts

Projektziel ist es, die SRHR aller jungen Menschen in ganz Europa durch eine engere Kooperation der EU-Länder, die Koordination der zuständigen Verbände sowie eine Harmonisierung der gesundheitspolitischen Entscheidungen, Strategien und Programme zu verbessern.
Die Zielvorstellungen im Einzelnen

  1. Die Übernahme und Umsetzung fundierter, auf den Rechten der Betroffenen basierender Strategien für Schutz, Förderung und Sicherung der SRHR junger Menschen zu verstärken,
  2. das Verständnis für die Determinanten aller Verhaltensweisen und Praktiken, die die SRHR junger Menschen in Europa beeinflussen, zu vertiefen,
  3. die Übernahme vorbildlicher Praxisbeispiele, die die SRHR junger Menschen in Europa verbessern könnten, zu fördern,
  4. die Unterstützung und das Engagement einer großen Bandbreite von Entscheidungsträgerinnen und -trägern auf nationaler und europäi scher Ebene für die SRHR junger Menschen zu gewinnen,
  5. die Einbindung und Mitwirkungsmöglichkeit junger Menschen in Initiativen zu stärken, die SRHRbezogene Themen ansprechen und auf eine Verbesse rung der SRHR dringen.

Die fünf Komponenten des Projekts

1. Verbesserung von politischen Programmen zur Förderung der SRHR junger Menschen in Europa
Diese Komponente zielt darauf, die Übernahme und Umsetzung des im Rahmen von SAFE entwickelten »Guide for developing policies on the SRHR of young people« (Leitlinien zur Entwicklung von Strategien für die SRHR junger Menschen) voranzutreiben. Die Leitlinien enthalten wichtige Empfehlungen an die Politik zur Verbesserung der SRHR junger Menschen in Europa und benennen diesbezüglich fünf spezifische Schwerpunkte: Information, Erziehung und Kommunikation; gesundheitsbezogene Angebote; Zugang zu Kontrazeption; sexuell übertragbare Krankheiten und HIV/Aids; ungewollte Schwangerschaften und Schwangerschaftsabbrüche. Die Aktivitäten werden auf europäischer und nationaler Ebene durchgeführt. Die Irish Family Planning Association wird eng mit drei zusätzlichen Ländern (Portugal, Slowakei, Zypern) zusammenarbeiten, um länderspezifische Kampagnen für politische Veränderungen zugunsten der SRHR junger Menschen in die Wege zu leiten. Schlüsselprioritäten dabei sind: Konzipierung und Umsetzung einer umfassenden sexuellen Aufklärung, Zugang zu Kontrazeptiva und landesweite Strategien für die Entwicklung speziell auf Jugendliche zugeschnittener Angebote, wobei ein besonderer Schwerpunkt stets auf möglicherweise gefährdeten jungen Menschen liegt.

2. Weiterentwicklung der Wissensbasis über die SRHR junger Menschen
Forscherinnen und Forscher der Rutgers Nisso Groep werden mit fünf IPPF-Mitgliedsorganisationen (in Österreich, Belgien, der Tschechischen Republik, Deutschland und Spanien) zusammenarbeiten, um detaillierte Situationsanalysen und quantitative Studien durchzuführen, in denen jeweils drei Variablen mit den dazugehörigen Strategien untersucht werden, die das sexuelle Verhalten junger Menschen beeinflussen können. Die in diesen fünf Ländern gewonnenen Forschungsdaten werden wiederum genutzt, um zukünftige Strategien, politische Weichenstellungen und Interventionen zugunsten der SRHR voranzubringen. Die Forschungsbereiche werden Anfang Juni 2010 mit den jeweiligen Partnerinnen und Partnern abgestimmt.

3. Erforschung und Vermittlung vorbildlicher Praxisbeispiele
IPPF EN wird eng mit vier Ländern sowie der von der WHO ausgehenden Implementing Best Practice (IBP)-Initiative zusammenarbeiten, um das bestehende Wissen über SRHR-bezogene vorbildliche Praxisbeispiele junger Menschen durch die Entwicklung, Verbreitung und Dokumentation von Best Practice-Modellen zu verbessern. Die Verbreitung aus gewählter Projekte soll in vier Ländern (Estland, Finnland, Litauen und Polen) entwickelt, umgesetzt und evaluiert werden. Die Projekte zu vorbildlichen Praxisbeispielen wollen mithilfe einer eigenen Website zu allen Fragen der SRHR junge Männer als Zielgruppe erreichen, die Prävention sexueller Gewalt ermöglichen, die Fähigkeit junger Menschen, für sich selbst einzutreten, fördern, das Bewusstsein und die Kompetenz von Studentinnen und Studenten im Zusammenhang mit den SRHR erhöhen und die Kompetenz von Medizinstudentinnen und -studenten in allen Fragen der SRHR stärken.

4. Verbreiterung der Unterstützungsbasis für die SRHR junger Menschen
Dies wird eine übergreifende, in das gesamte Projekt eingebundene Komponente sein. Alle Partnerinnen und Partner des Projekts werden sich für eine breite und kontinuierliche Einbeziehung wichtiger Entscheidungsträgerinnen und -träger einsetzen. SAFE II wird Verbindungen zu Elternorganisationen sowie den einschlägigen pädagogischen, sozialpädagogischen und pflegerischen Berufsverbänden herstellen, aber auch zu anderen Gruppen, die nicht auf den ersten Blick als traditionelle Verbündete für eine umfassende Verwirklichung der SRHR junger Menschen gelten mögen, deren Unterstützung aber vonnöten ist, um in einem so wichtigen Bereich Fortschritte machen zu können.

5. Stärkung der Kompetenz junger Menschen, ihre SRHR aktiv zu verbessern
Auch dies wird eine übergreifende, in das gesamte Projekt eingebundene Komponente sein. Die aktive Teilnahme junger Menschen an allen Aspekten des Projekts ist für seinen Erfolg wesentlich. Aus diesem Grund kooperiert das Projekt mit dem internationalen Jugendnetzwerk der IPPF EN (YSAFE)3 und sieht die Teilnahme eines YSAFE-Mitglieds im Leitungskomitee von SAFE II vor. Zusätzlich wird sich das SAFE-II-Projekt mit einer anderen Initiative der IPPF EN vernetzen, deren Ziel die Entwicklung einer Jugendbewegung ist, die sich für die SRHR junger Menschen in Europa einsetzt, indem sie die Kompetenz junger Menschen stärkt, für ihre Rechte einzutreten.
Die Projektergebnisse sollen auf nationaler und europäischer Ebene durch Partner-Websites, Publikationen, Events und Kongresse verbreitet werden. 

 

Fußnoten

1 Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt.
2 Internationale Föderation für geplante Elternschaft
3 YSAFE (Youth Sexual Awareness for Europe) ist ein von der IPPF bereitgestelltes Internet-Angebot für Jugendliche, das Informationen, Spiele und Foren beinhaltet. Die Plattform fordert Jugendliche auf, eine aktive Rolle bei der Gestaltung von politischen Rahmenbindungen für sexuelle und reproduktive Gesundheit in ihrer jeweiligen Region zu spielen (d. Red.)

Kontakt

IPPF EN
International Planned Parenthood Federation
Rue Royale 146
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Belgium
Telefon +32 (2) 250 0950
www.ippfen.org
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