Weiterbildung zu Fragen der Sexualität, Sexualpädagogik und Familienplanung

Als einzige Hochschule in Deutschland bietet die FH Merseburg seit 2001 ein Masterstudium „Sexualpädagogik und Familienplanung" sowie weiterbildende Studiengänge in „Sexualpädagogik" und „Familienplanungs- und Schwangerschaftsberatung" an. Was ist der Anlass, wie werden die Angebote angenommen, wie sind sie strukturiert und welche Ergebnisse sind bislang zu verzeichnen?

Warum ein solches Studienangebot?

Partnerschaft, Sexualität und Familienplanung sind existenzielle menschliche Lebensbereiche. Nur folgerichtig ist das Recht des Menschen auf sexuelle und reproduktive Gesundheit und Selbstbestimmung in den Rang eines Menschenrechtes erhoben worden (IPPF, WHO, etc.¹).

Es sind die großen, aber auch die kleinen Themen, die an der Hochschule Merseburg immer wieder Herausforderung und Impuls für unsere Auseinandersetzung mit dem Themenkomplex Sexualität sind. Exemplarisch seien genannt:

  • Sexualität in der Postmoderne - zwischen Befreiung und Bindungssehnsucht, Irritation und Suche nach (neuen) Werten
  • Generatives Verhalten im Wandel - zwischen Teenager-Schwangerschaften und steigendem Erstgeburtsalter, wechselnden Lebens- und Partnerschaftsmodellen und Suche nach dauerhafter Bindung
  • Reproduktionsmedizin - zwischen Technisierung von Sexualität/Fortpflanzung und Autonomiegewinn, wachsender Möglichkeit von Lebensgestaltung und zugleich zunehmendem Gestaltungsdruck

Bei persönlichen Problemen suchen Menschen häufig zunächst innerhalb der Familie, bei PartnerIn oder im Freundeskreis Hilfe. Mitunter vertrauen sie sich einem Arzt oder einer Psychotherapeutin an. Ein niedrigschwelliges Angebot stellen Beratungsstellen dar, an die sich mehr und mehr Frauen, Männer und Jugendliche wenden. Die Bedeutung professioneller psychosozialer Beratung wächst in fast allen Lebensbereichen, sei es bei Fragen der Erziehung, allgemeinen Lebensthemen, beruflichen Problemen, aber eben auch bei Problemen in Bezug auf Partnerschaft, Sexualität und Familienplanung.

In vielen Berufsfeldern sind also MitarbeiterInnen damit konfrontiert, dass solche Ratsuchenden mit spezifischen Fragen und Problemen in diesem intimen Themenfeld ringen und einen sicheren Umgang der professionellen HelferInnen erwarten, seien dies BetreuerInnen in Behinderteneinrichtungen, in Alten- und Pflegeheimen, MitarbeiterInnen von Jugendfreizeiteinrichtungen, PädagogInnen, ÄrztInnen, PsychologInnen, SozialpädagogInnen, Streetworker, SuchttherapeutInnen etc.

Gerade weil Partnerschaft, Sexualität und Familienplanung so existenzielle Lebensthemen sind, gibt es in derart vielen Arbeitsbereichen das wachsende Bedürfnis nach größeren Handlungskompetenzen, sowohl bei Problemen und Fragen als auch zur Unterstützung positiver Lebenserfahrungen, im präventiven Kontext. Die Möglichkeiten, diese Kompetenzen zu erwerben, sind leider nach wie vor beschränkt.

Welche Aus-, Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten existieren bereits?

Vor etwa 100 Jahren entwickelte Freud seine zentralen Gedanken zur psychosexuellen Entwicklung des Menschen. Ein Blick auf Aus-, Weiter- und Fortbildung heute - und zwar derer, die es von Berufs wegen mit anderen Menschen zu tun haben - zeugt allerdings von einem erschreckenden Mangel: Fragen der Sexualität und auch Aspekte der Familienplanung und Partnerschaft führen zumeist eine randständige Existenz. Sowohl in der Aus- und Weiterbildung von ÄrztInnen als auch von PsychologInnen kommt das Thema Sexualität kaum vor. Familienplanung wird als fachmedizinisches Thema gestaltet. Die Integration in pädagogische Lehrzusammenhänge bleibt im Wesentlichen dem Engagement einiger weniger überlassen;² als gelungene Beispiele für diese Einbindung seien das Wahlpflichtfach „Sexualpädagogik" im Fachbereich Erziehungswissenschaften der Christian-Albrechts-Universität Kiel und die Schwerpunktausbildung im Fachbereich Soziale Arbeit.Medien.Kultur an der Hochschule Merseburg genannt.

Seit Jahren bietet die Deutsche Gesellschaft für Sexualforschung im Fort- und Weiterbildungsbereich erfolgreich und auf profunder Grundlage Curricula zu Sexuologischen Basiskompetenzen (Curriculum I) oder zur Sexualtherapie (Curriculum II) an. Die Integration einzelner Module in Aus- und Fortbildungskontexte wird angestrebt. An der Charité Berlin existiert eine berufsbegleitende Weiterbildung Sexualmedizin für ÄrztInnen und PsychologInnen. Eine Aufnahme der Thematik in entsprechende Weiterbildungsordnungen

ist bislang nicht gelungen. Bei den Weiterbildungsangeboten in psychosomatischer Gynäkologie scheinen die genannten Themen, aufgrund des Engagements der Gesellschaft für psychosomatische Gynäkologie und Geburtshilfe, noch am besten repräsentiert zu sein, dennoch ist der Umfang der Weiterbildung in psychosomatischer Grundversorgung angesichts der Vielzahl der relevanten Aspekte mit 80 Stunden nur knapp bemessen. Dezidierte psychotherapeutische Weiterbildungen zu Sexualität und Partnerschaft gibt es daneben noch am Institut für Paar- und Sexualtherapie in Würzburg oder am Institut für Verhaltenstherapie in Köln. Inwieweit Partnerschaft, Sexualität und Familienplanung integrativer Bestandteil in anderen psychotherapeutischen Weiterbildungen sind, ist bei der Vielfalt der Angebote nur schwer einzuschätzen.

Die Institution, die sich bundesweit für die Fort- und Weiterbildung im Themenfeld verdient gemacht hat, ist der pro familia-Bundesverband. Er führt vielfältige und sehr positiv evaluierte Fortbildungen zu Fragen der Familienplanung, der Schwangerschaftsberatung und Sexualpädagogik durch. Allerdings werden die qualitativ ausgesprochen hochwertigen Weiterbildungen in analytischer und systemischer Paar- und Sexualberatung zur Zeit nicht mehr angeboten. Als spezifischen Bedarf für die nächste Zeit ermittelte der Bundesverband eine etwa einjährige Basisqualifikation zu Fragen der Sexualität.

Auch andere Träger haben in den letzten Jahren - augenfällig im Kontext des Schwangerschaftskonfliktgesetzes - ihre Fortbildungsangebote intensiviert. Vor allem das Evangelische Zentralinstitut in Berlin offeriert eine ausgesprochen differenzierte, theoretisch anspruchsvolle und zugleich an Handlungskompetenzen orientierte Weiterbildung zur Beratung im Kontext pränataler Diagnostik sowie Fortbildungen zur Schwangerschafts-(konflikt-)beratung. Auch die Caritas, das Deutsche Rote Kreuz und die Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Jugend- und Eheberatung e.V. (DAJEB) haben im Kontext der Qualifikation der Mitarbeiterinnen von Schwangerschaftsberatungsstellen ihr Fortbildungsangebot deutlich ausgeweitet.³ Sexualpädagogisch haben sich das Institut für Sexualpädagogik in Dortmund und der Senat für Jugend Berlin mit ihren Weiter- und Fortbildungen verdient gemacht.

Mit welchem Angebot reagiert Merseburg?

Die Ausführungen zeigen, dass wir es mit problematischen Befunden zu tun haben. Zum einen verlieren die benannten Themen in regulären Ausbildungen relevanter Studiengänge (Medizin, Psychologie, Pädagogik, Sozialarbeit etc.) im Kontext der oben benannten Emeritierungen zunehmend an Bedeutung. Zum anderen sind Weiter- und Fortbildungsangebote der verschiedenen Träger häufig sehr spezifisch an deren Bedarf ausgerichtet. Nachteilig kann sich dies hinsichtlich der Erreichbarkeit der Professionellen aus den sehr unterschiedlichen Berufsfeldern auswirken, und nicht immer ist die Einbindung in eine fundierte sexualwissenschaftliche Grundlagenvermittlung gewährleistet.

Vor diesem Hintergrund hat die Hochschule Merseburg ihr vielschichtiges, bedarfsadäquat gegliedertes Angebot entwickelt. Ausgangspunkt ist die vor mehr als zehn Jahren durch die Professoren Stumpe und Weller initiierte Schwerpunktausbildung für Studierende der Sozialarbeit und Sozialpädagogik. Diese Schwerpunktausbildung zielt auf die Bedürfnisse der Praxis, denn viele Studierende werden in ihren künftigen Handlungsfeldern, so unterschiedlich diese auch sein werden, mit Fragen von Partnerschaft, Sexualität und Familienplanung zu tun haben. Ausgehend von den hier gewonnenen Erfahrungen und von den Bedürfnissen der AbsolventInnen, ihre Kompetenzen in den Arbeitsalltag zu integrieren und zu vertiefen, entstanden Überlegungen zu einer an der Hochschule etablierten Weiterbildung. Erste Schritte wurden im Rahmen des Modellprojektes „Zusatzausbildung Sexualpädagogik" unternommen. Dieses, durch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung geförderte Modellprojekt lief von 1996 bis 1999 und wurde von der Hochschule in Kooperation mit dem Bundesverband

der pro familia durchgeführt. Die positive Evaluation dieses Modellprojektes mündete in die gemeinsame Idee, die Erfahrungen mit dieser Zusatzausbildung in ein berufsbegleitendes integriertes Weiterbildungsangebot zu überführen, das hochgradige Praxiskompetenzen mit den theoretischen, insbesondere sexualwissenschaftlichen Kompetenzen der Hochschule vereint.

Das heutige mehrstufige System („Merseburger Modell") beinhaltet die Möglichkeit des Aufbaus und der Ergänzung:

  • Schwerpunktausbildung „Sexualpädagogik und Familienplanung" für Studierende der Sozialen Arbeit
  • Berufsbegleitende Weiterbildung „Sexualpädagogik" oder „Schwangerschafts- und Familienplanungsberatung"
  • Berufsbegleitender Masterstudiengang „Master oft Arts in Sexual Education and Family Planning"
  • Mehrstufige und kurzzeitigere Fortbildungen in Zusammenarbeit mit dem Institut Sexualpädagogisches Zentrum der Hochschule Merseburg (FH)[4]

Was sind die inhaltlichen Ziele des Merseburger Modells?

Die Integration von Aus-, Weiter- und Fortbildung an der Hochschule will über eine primär methodenorientierte Zielstellung hinausgehend

  • hochwertige theoretische Grundlagen auf praxisorientierte Weise vermitteln, etwa zu psychosexueller Entwicklung, bio-psychosozialen Aspekten von Sexualität, geschlechtlicher Identität und sexueller Orientierung, reproduktivem Verhalten, rechtlichen Aspekten etc.,
  • methodische Kompetenzen befördern, indem das langjährig aggregierte geschlechts-, alters- und themenspezifische Methodenarsenal in theoretische und praktische Diskurse integriert und erprobt wird,
  • die Anwendung theoretischen, handlungsfeldspezifischen und methodisch-didaktischen Wissens durch die Integration von Praktika in die Studiengänge unterstützen,
  • Kompetenzen in Projektentwicklung und -management sowie Leitung und Qualitätssicherung im Handlungsfeld stärken.

Die quantitativen und inhaltlichen Schwerpunktsetzungen unterscheiden sich je nach gewähltem Studiengang und individueller Interessenlage. Generell zeichnen sich alle Angebotsebenen durch eine intensive Zusammenarbeit mit ExpertInnen aus der Praxis, die in die Lehrtätigkeit einbezogen werden, sowie mit den Praxiseinrichtungen selbst aus (z.B. für Praktika oder die Anregung praxisorientierter Studien, Master- und Diplom- bzw. Bachelorthemen).

Wie sind die einzelnen Studienangebote strukturiert?

Die Schwerpunktausbildung für Studierende der Sozialen Arbeit

Die Schwerpunktausbildung im Diplomstudiengang erstreckt sich vom 4. bis ins 8. Semester.[5] Im 4. Semester haben die Studierenden in vier Semesterwochenstunden (SWS) die Möglichkeit, sich in themenzentrierten Seminaren Basiswissen zu sexualpädagogischen, sexualwissenschaftlichen und familienplanerisch relevanten Aspekten anzueignen. Zugleich wird bereits in diesem Semester die Konzipierung, Durchführung und Nachbereitung erster kleiner sexualpädagogischer Projekte geprobt. Im 5. und 6. Semester absolvieren die Studierenden Praktika in Einrichtungen, in denen sie typische Handlungsfelder kennen lernen und ihr Wissen praktisch anwenden können (Schwangerschaftsberatungsstellen, aber auch Jugend- oder Frauenzentren, Aids-Beratungsstellen, Schulen, Behinderteneinrichtungen etc.). Eine Vertiefung wird durch die Reflexions- und Studientage gesichert. Im 7. Semester ist es sowohl möglich, im Seminar „Fallarbeit" spezifische beraterische und sexualpädagogische Kenntnisse und Handlungskompetenzen auszubauen als auch im Seminar „Interdisziplinäre Theoriearbeit" zu verschiedenen Aspekten von Partnerschaft, Sexualität und Familienplanung vertiefend theoretisch zu arbeiten (jeweils zwei SWS). Im 8. Semester werden vielfach Diplomarbeiten zu Themen des Schwerpunktbereiches verfasst.

Der Masterstudiengang und die berufsbegleitenden weiterbildenden Studiengänge

Die TeilnehmerInnen der weiterbildenden Studienangebote verfügen in der Regel über mindestens dreijährige praktische Erfahrungen in pädagogischen, sozialen, psychologischen und medizinischen Arbeitsfeldern. Sie nutzen das Studium, um ihre Kompetenzen zu sexualwissenschaftlichen, pädagogischen und familienplanerischen Themen zu vertiefen. Die Studiengänge gliedern sich wie folgt:[6]

1. Semester

  • Sexualwissenschaftliche Grundlagen (u.a. soziologische, psychologische, biologische und rechtliche Aspekte von Sexualität)

2. Semester

  • Sexualpädagogik (u.a. altersspezifische sexualpädagogische Konzepte, interkulturelle Sexualpädagogik, Sexualpädagogik und Aids-Prävention, Sexualität und Behinderung)
  • Themenzentrierte Selbsterfahrung

3. Semester

  • Familienplanung (u.a. historische und internationale Aspekte, Kinderwunsch, Verhütung, ungewollte Schwangerschaft und Schwangerschaftsabbruch, Schwangerschafts- und Schwangerschaftskonfliktberatung [nach SchKG], psychosoziale Beratung im Kontext von Schwangerschaft und Geburt, Beratung im Kontext pränataler Diagnostik)
  • Sexualpädagogisches Praktikum oder praxisorientierte Studie inklusive Supervision/Praxisbegleitung

4. Semester

  • Praktikum Schwangerschafts- und Familienplanungsberatung oder praxisorientierte Studie inklusive Supervision/Praxisbegleitung
  • Interessengeleitete Vertiefungsseminare (u.a. Sexualität und Behinderung, Sexualstörungen, gleichgeschlechtliche Lebensweisen)
  • Abschlusskolloquium zu den Praxisprojekten im Rahmen einer Fachtagung

5. Semester

  • Masterarbeit

 

Das Studium ist interessengeleitet, das heißt es muss zwar eine bestimmte Anzahl von Pflichtseminaren absolviert werden; darüber hinaus sind aber, den eigenen Schwerpunktsetzungen der Studierenden folgend, viele Seminare als Wahlpflichtangebote vorgehalten. Die Arbeit erfolgt in kleinen Gruppen, um intensive Auseinandersetzung und Reflexion zu ermöglichen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt: Das Merseburger Modell ist konsequent als berufsbegleitendes Angebot konzipiert. Zwar sind die Anforderungen an die Studiengänge durchaus hoch: Die Präsenzstunden liegen etwas über denen manch anderer Studiengänge, was sich daraus ableitet, dass pädagogische und beraterische Kompetenzen nicht primär im Selbststudium erworben werden können. Trotzdem wird eine möglichst gute Verbindung mit den bestehenden berufli-chen Anforderungen dadurch gesichert, dass erstens die Seminare vor allem an Wochenenden stattfinden, zweitens eine bis maximal zwei Blockwochen pro Semester eine Bündelung ermöglichen und drittens die Praktika in den eigenen Einrichtungen durchgeführt werden können.

Arbeitsergebnisse, die nach außen wirken

Der hohe Wissensstand der HochschulabsolventInnen zeigt sich am ehesten in den Masterarbeiten und bei den Abschlusskolloquien.

Die Masterarbeiten

Masterarbeiten liegen zu folgenden Themenbereichen vor[7]:

  • Vergleichende Analyse der Länderrichtlinien zur Anerkennung und Förderung von Schwangerschaftsberatungsstellen (Petra Reinecke)
  • Vergleichende Analyse von Fort- und Weiterbildungsangeboten relevanter Träger zur Schwangerschafts-(konflikt-) beratung (Gabriele Rochow)
  • Aids-Prävention - Sexualpädagogik und salutogenetischer Ansatz (Peter Thürer)
  • Siegfried Schnabl - Darstellung des Werdeganges im Zusammenhang zeitgeschichtlicher Ereignisse und wissenschaftlicher Publikationen zu Themen der Sexualität (Ines Uhlmann).

Folgende Themen sind in Bearbeitung:

  • Postkoitalverhütung - Analyse der Verfügbarkeit in Hamburg (Eine Befragung von Kliniken und Apotheken) (Ulrike Franck)
  • Postkoitalverhütung - Analyse der Verfügbarkeit in ausgewählten Regionen Thüringens (Uta Erfurt)
  • Kontrazeptionsverhalten drogenabhängiger Frauen (Alexander Magdalinski)
  • Soziale und berufliche Integration allein erziehender junger Frauen (Irena Schunke)
  • Sexualpädagogische Arbeit mit geistig behinderten Menschen (Daniela Hertel).

Die Abschlusskolloquien

In den Abschlusskolloquien mit dem Charakter einer Fachtagung präsentieren die Studierenden ihre Arbeitsergebnisse einer Fachöffentlichkeit, die sich aus PraxispartnerInnen, ExpertInnen und interessierten Studierenden zusammensetzt. Diese Fachtagungen haben sich nach nunmehr zweimaliger Durchführung - mit Unterstützung der BZgA - zu einer anerkannten Veranstaltung im ostdeutschen Raum entwickelt und ziehen über hundert TeilnehmerInnen insbesondere aus Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen an. Dadurch werden zugleich wichtige Transferleistungen zwischen Hochschule - als Kompetenzzentrum in diesem Themenfeld - und Praxis sowie eine aktive Vernetzung gesichert.

Die Fachtagungen haben jeweils ein Rahmenthema. Dieses Thema wird über Fachbeiträge von Studierenden, Referate externer ExpertInnen, Workshops und Posterpräsentationen dargestellt.[8] Im Jahr 2003 standen zielgruppenspezifische Aspekte der sexualpädagogischen und beraterischen Arbeit im Mittelpunkt. Hervorgehoben werden sollen hier unter anderen der Beitrag von Ulrike Franck (Hamburg) zur sexualpädagogischen Arbeit mit benachteiligten Jugendlichen und von Peter Thürer (Leipzig) zu neuen Ansätzen in der Gesundheitsförderung homosexueller Männer.[9] Die zweite Fachtagung widmete sich schwerpunktmäßig dem Thema „Teenager-Schwangerschaften".[10] Die dritte Fachtagung zum Thema „Sexualpädagogik mit behinderten Menschen" wird am 14.10.2005 stattfinden. Alle Fachbeiträge und Zusammenfassungen der Masterarbeiten werden in den jährlich erscheinenden Kursbüchern veröffentlicht.

Kurs 5 soll im Oktober 2005 beginnen. Die Informationspakete und Immatrikulationsanträge können bereits angefordert werden[11]

Fußnoten

1 Die Kairoer Konferenz über Bevölkerung und Entwicklung hat 1994 durch die Verknüpfung der Themen Reproduktion, Gesundheit und Sexualität mit den allgemeinen Menschenrechten, z.B. auf Information und Zugang zu den Methoden der Familienplanung, einen qualitativ neuen Orientierungsrahmen gesetzt. Die IPPF (International Planned Parenthood Federation) hat sich

2 mit der Charta über sexuelle und reproduktive Rechte einen politischen Handlungsauftrag gegeben. Im Entschließungsantrag des Europäischen Parlamentes über sexuelle und reproduktive Rechte 2002 wird ein breiter Konsens staatlicher Verantwortung nicht zuletzt auch für die Sexualerziehung festgeschrieben.Mit der Emeritierung bedeutender, sich sexualwissenschaftlich und -pädagogisch engagierender Hochschullehrer (u.a. Kentler, Kluge, Bartholomäus, Koch) sind bis Ende der Neunzigerjahre auf breiterer Grundlage vorhandene Verankerungen in der studentischen Ausbildung verloren gegangen.

3 Eine Analyse verschiedener Fort- und Weiterbildungsangebote in diesem Handlungsfeld steht mit der Masterarbeit von Frau Gabriele Rochow zur Verfügung (Zugang über Ulrike Busch).

4 So findet 2005 in Kooperation mit den Trägern anerkannter Schwangerschaftsberatungsstellen von Sachsen-Anhalt eine viertägige sexualpädagogische Fortbildung sowohl in Merseburg als auch in Magdeburg statt, die es interessierten BeraterInnen ermöglicht, wohnortnah ihre Kompetenzen zu sexualpädagogischen Themen zu erweitern.

5 Ab Oktober 2005 wird auch an der Hochschule Merseburg der Studiengang als Bachelorstudium angeboten. Die Schwerpunktbildung bleibt grundsätzlich erhalten und wird z.T. noch weiter ausgebaut.

6 Je nachdem, ob der Masterstudiengang oder die weiterbildenden Studiengänge belegt werden, variieren inhaltliche und quantitative Anforderungen. Genaueres ist der Homepage der Hochschule (www.fh-merseburg.de) bzw. des Sexualpädagogischen Zentrums (www.sexpaed.de) zu entnehmen.

7 Die Arbeiten können auf Wunsch in der Hochschule eingesehen werden.

8 Die Poster dokumentieren die unterschiedlichen sexualpädagogischen Praxisprojekte der Studierenden.

9 Alle Beiträge sind im Kursbuch 1 publiziert (für eine Schutzgebühr von 5 Euro plus Versand zu erwerben) bzw. über die Homepage des Sexualpädagogischen Zentrums zum Download verfügbar.

10 Kursbuch 2 wird in Kürze erscheinen und ebenfalls als Download verfügbar sein.

11 Die Studiengebühren sind nach wie vor noch vergleichsweise günstig gehalten (etwa 500 Euro für die weiterbildenden Studiengänge und etwa 650 Euro für den Masterstudiengang pro Semester). Eine Gebührensteigerung wird sicherlich in der nächsten Zeit erforderlich werden.

Autorin

Prof. Dr. Ulrike Busch
Prof. Dr. Ulrike Busch ist Professorin an der Hochschule Merseburg (FH). Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Familienplanung, Beratung und Sexualpädagogik. Sie war langjährige Geschäftsführerin des Familienplanungszentrums Berlin e.V. (c/o BALANCE) und ist zur Zeit unter anderem Mitglied im Ausschuss Schwangeren- und Familienhilfepolitik des pro familia-Bundesverbandes sowie Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Sexualwissenschaft e.V. und des Fördervereins Sexualpädagogisches Zentrum Merseburg.
 

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