Qualitätssicherung in der Abteilung „Sexualaufklärung, Verhütung und Familienplanung" der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Aufgaben der Abteilung

Zu den zentralen Aufgaben der BZgA gehört seit 1992 - vom Gesetzgeber übertragen - die Entwicklung von zielgruppenspezifischen Konzepten für eine ganzheitliche Sexualaufklärung und Familienplanung im Sinne von Lebensplanung. Dies geschieht unter Einbeziehung von Ansätzen, in deren Mittelpunkt die Förderung der kommunikativen Fähigkeiten durch Information, Motivation und Kompetenzstärkung steht.¹ Um diese Aufgaben zu bewältigen, werden sowohl eigene Konzepte, Medien, Modellprojekte und Interventionsstrategien entwickelt als auch Maßnahmen anderer Institutionen gefördert.²

Abb. 1 Qualitätssicherung in der Abteilung Sexualaufklärung, Verhütung und Familienplanung 

Strategien zur Qualitätssicherung

Die Entwicklung von Maßnahmen im Arbeitsbereich Sexualaufklärung und Familienplanung wird von unterschiedlichen Verfahren der Qualitätssicherung begleitet. Mit diesen Verfahren zur Bestimmung qualitativer Unterschiede zwischen verschiedenen Konzepten, Medien, Modellprojekten und Interventionsstrategien wird überprüft, inwieweit die jeweiligen Maßnahmen die angestrebten Ziele in der Sexualaufklärung und Familienplanung bei möglichst niedrigen Kosten erreichen können.³

In der BZgA wird eine Vielzahl von Strategien zur Qualitätssicherung angewandt. Die qualitätssichernden Vorgehensweisen kommen dabei insbesondere in drei verschiedenen Stadien der Maßnahmenentwicklung zur Anwendung: bei der Planung und Konzeption neuer Maßnahmen, bei der Kontrolle ihres Erfolgs und bei der Veröffentlichung der Arbeitsergebnisse.

Qualitätssicherung bei der Konzeption neuer Maßnahmen

Dem Entwurf von Konzepten, der Planung neuer Medien oder der Entwicklung von Modellprojekten liegen verschiedene Verfahren zur gezielten Suche nach Informationen zugrunde, zum Beispiel ExpertInnenworkshops, Marktübersichten oder Studien.

Mit diesen Verfahren werden insbesondere drei Ziele verfolgt: Erstens ermöglichen die Informationen, die so gewonnen werden, eine realistische Einschätzung des Bedarfs an Materialien zu einem bestimmten Thema. Zweitens tragen sie dazu bei, dass das Thema entsprechend dem gegenwärtigen Wissensstand bearbeitet wird, und drittens ergeben sich Hinweise auf Institutionen oder Personen, die aufgrund ihrer Erfahrungen mit dem Thema als potenzielle AuftragnehmerInnen und MultiplikatorInnen für das Projekt in Frage kommen.

Bei den verschiedenen Instrumenten zur planungsrelevanten Informationssuche kann zwischen eher unsystematischen Verfahren (ExpertInnenbefragungen) und wissenschaftlichen Vorgehensweisen (Expertisen, Sekundäranalysen und eigenen Studien) unterschieden werden. Da ExpertInnenbefragungen in der Regel weniger aufwändig sind als die systematischen Verfahren zur Informationssuche, werden sie insbesondere zu Beginn der Planungsphase durchgeführt.

ExpertInnenbefragungen

Um von den Erfahrungen der Fachleute auf einem bestimmten thematischen Gebiet zu profitieren, werden im Vorfeld des Entwurfs von Konzepten oder der Planung neuer Medien und Maßnahmen ExpertInnen zum geplanten Projekt befragt. Diese zum Teil auch informellen Gespräche können hinsichtlich der Erfassung des Bedarfs dazu beitragen, Problemlagen zu erkennen und Doppelungen zu vermeiden. Sie ermöglichen erste Einschätzungen des Standes der Diskussion um eine bestimmte Thematik, der Perspektiven, aus der ein Thema bisher behandelt wurde, und zeigen möglicherweise Lücken auf, die ein neues Produkt füllen könnte.

Die Meinung von Fachleuten wird über drei Wege eingeholt: über erste Ansprachen, über die Teilnahme an Fachtagungen und über die Durchführung von eigenen Workshops oder Tagungen. So organisierte die BZgA im Bereich Sexualaufklärung und Familienplanung Workshops zu einigen zentralen Themenbereichen, zum Beispiel Pränataldiagnostik, Sexualaufklärung im Kindergarten oder reproduktive Biografien von Frauen. Diese ExpertInnenrunden erweisen sich als besonders fruchtbares Instrument zur Qualitätssicherung: In der Diskussion werden auch widerstreitende ExpertInnenmeinungen berücksichtigt, und neue Ideen und Konsense können sich aus den verschiedenen Beiträgen entwickeln.

Systematische Verfahren zur Informationssuche

Nachdem erste Einschätzungen durch die Befragung von Fachleuten gewonnen wurden, und die Realisierung eines Projekts aufgrund der Ergebnisse weiterhin geplant ist, kann eine systematischere Erfassung des Bedarfs und des Diskussionsstandes erfolgen. Dazu bieten sich insbesondere Expertisen, Sekundäranalysen bereits durchgeführter Studien sowie eigene Untersuchungen an.

Expertisen (Literatur- und Projektrecherchen sowie Marktübersichten) vermitteln einen umfassenden und weitgehend vollständigen Überblick über die Forschung (Literatur- und Projektlisten) beziehungsweise die Medien und Maßnahmen (Marktübersichten), die bereits vorhanden sind. Im Vorfeld der Entwicklung von Medien zur Pränataldiagnostik wurde zum Beispiel eine ausführlich kommentierte Liste aller laufenden Forschungsvorhaben deutschsprachiger Regionen im Bereich Pränataldiagnostik zusammengestellt. Neben dieser Liste, die sich ausschließlich auf die Forschung bezieht, ermöglichte der Einsatz eines von der BZgA entwickelten Instrumentes zur systematischen Marktbeobachtung und -analyse einen Überblick über die bereits vorhandenen Aufklärungsmaterialien.[4] Anhand der durch diese Verfahren gewonnenen Informationen wurden sowohl die Schwerpunkte der Diskussion um Pränataldiagnostik unmittelbar sichtbar als auch bestimmte unbeantwortete Fragestellungen in der Forschung und Lücken in der thematischen Bandbreite, die durch die Aufklärungsmaterialien abgedeckt werden.

Eigene Studien und Sekundäranalysen

Die empirische Forschung bildet die wissenschaftlich abgesicherte Grundlage der Arbeit im Bereich Sexualaufklärung und Familienplanung. Das gilt insbesondere auch für die im Sinne eines „Monitoring Instruments" eingesetzten Wiederholungsbefragungen. So werden zum Beispiel seit 1980 - zunächst als Projekt des BMJFFG, dann im Auftrag der BZgA - regelmäßig repräsentative Daten zur Jugendsexualität erhoben, die wertvolle Informationen über das sexuelle Verhalten Jugendlicher liefern, über Einstellungen, über Präferenzen bei der Informationssuche, über den Bedarf an Aufklärungsmaterialien und viele weitere Aspekte. Der Zeitvergleich - inzwischen überblicken wir einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren - ermöglicht, dass Trends, zum Beispiel im Hinblick auf das Verhütungsverhalten beim „ersten Mal", frühzeitig identifiziert und in der Maßnahmenentwicklung berücksichtigt werden können.

Wenn zu einem Thema bereits von anderen Institutionen Daten erhoben wurden, die spezifischen Fragestellungen der BZgA jedoch nicht hinreichend geklärt sind, bietet sich eine Sekundäranalyse an. Mitte der 90er Jahre förderte die BZgA etwa die Sekundärauswertung von Daten einer Umfrage zum Thema „Infertilität". Die Ergebnisse der Sekundärauswertung, dokumentiert in dem Fachheft „Kontrazeption, Konzeption, Kinder oder keine", wurden in einem Medienpaket zur ungewollten Kinderlosigkeit, bestehend aus vier deutsch- und türkischsprachigen Videofilmen und dazugehörigen Broschüren, umgesetzt.

Qualitätssicherung im Bereich Erfolgskontrolle

Ein zentrales Element des Qualitätsmanagements in der Sexualaufklärung und Familienplanung ist die Erfolgskontrolle von Maßnahmen. Mit der wissenschaftlichen Evaluation der Konzepte, Medien, Modellprojekte und Interventionsstrategien werden insbesondere zwei Ziele verfolgt: Erstens können einzelne Aspekte einer Maßnahme, die nicht gut genug bewertet wurden, im Sinne der Evaluation optimiert werden. Zweitens unterstützen die Informationen,

die durch die Bewertung der bereits vorhandenen Maßnahmen gewonnen werden, die Planung und Umsetzung zukünftiger Projekte. Beides, sowohl die Möglichkeit einer direkten Optimierung einzelner Maßnahmen als auch der Nutzen für künftige Vorhaben, weisen der Evaluation einen zentralen Stellenwert in der Qualitätssicherung zu.

Um möglichst aussagekräftige Informationen über die Qualität von Maßnahmen zu erhalten, erfüllen die Evaluationen eine Reihe von Anforderungen:

  • 1. Sie basieren auf klaren, vorab festgelegten Kriterien zur Bewertung der Maßnahmen.
  • 2. Sie werden - zur Sicherung der Objektivität der Bewertung - von externen ExpertInnen durchgeführt.
  • 3. Verfahren und Ergebnisse werden sorgfältig dokumentiert, um Transparenz zu ermöglichen.
  • 4. Es werden Standards in der Durchführung von Evaluationen entwickelt, um die Vergleichbarkeit der Ergebnisse verschiedener Projekte zu ermöglichen.

Je nach Art der Maßnahme und Erkenntnisinteresse kommen in der BZgA ganz unterschiedliche Verfahren der Evaluation zur Anwendung: der Pretest, die Produktevaluation und die wissenschaftliche Begleitung.

Pretest

Insbesondere bei Unsicherheiten hinsichtlich der Wirkung alternativer Gestaltungsmerkmale von Aufklärungsmaterialien bietet sich die Durchführung eines Pretests an. Der Pretest trägt dazu bei, dass die Effektivität eines Mediums schon während des eigentlichen Entwicklungsprozesses kostengünstig und mehrschrittig optimiert werden kann.

Getestet wurden beispielsweise einzelne Gestaltungsmerkmale eines T-Shirts, das als „give-away" an Jugendliche für den Internetauftritt „loveline.de" wirbt. Die Reaktionen der Jugendlichen, die im Pretest zu ihren Präferenzen befragt wurden, zeigten deutlich den besonders hohen Stellenwert, den bestimmte modische und expressive Gestaltungsmerkmale in der Altersgruppe der 13- bis 17-Jährigen einnehmen. Der Pretest ermöglichte, dies zu berücksichtigen und so die beabsichtigte Wirkung des „give-away" durch die Auswahl geeigneter Gestaltungselemente zu verstärken. Anhand der Ergebnisse konnten abgesicherte Entscheidungen über die Farbe getroffen werden, über das Logo, den Bildaufdruck und den Text.

Evaluation von Einzelmaßnahmen

Bei der Evaluation von Einzelmaßnahmen (Produktevaluation) wird das Ergebnis eines abgeschlossenen Projekts bewertet, zum Beispiel einer fertig gestellten Broschüre, einer Anzeige, eines Internetauftritts oder eines Films. Jede einzelne dieser Maßnahmen in der Sexualaufklärung und Familienplanung richtet sich an ausgewählte Gruppen von EndadressatInnen oder MultiplikatorInnen und verfolgt zuvor definierte, jeweils unterschiedliche Ziele wie die Vermittlung von Wissen, die Förderung von Kompetenz oder die Motivation zum Handeln. Mit der Evaluation wird überprüft, inwieweit die jeweilige Maßnahme diese Ziele erreicht.

Aufgrund der Evaluationsergebnisse können fundierte Entscheidungen über weitere konkrete Ansprachestrategien getroffen werden. Zum Beispiel hat die kritische Bewertung einer Anzeigenkampagne zum Thema „Übergang in die Elternschaft" dazu geführt, dass die Anmutung der Anzeigen stark verändert wurde. Getestet wurde eine Version, die die schwierigen Aspekte der jungen Elternschaft - etwa finanzielle Belastungen oder Erschöpfung - durch eine monochrome Farbgebung besonders hervorhob. Die Evaluation hat gezeigt, dass diese Ansprachestrategie gerade nicht die beabsichtigte Wirkung hatte, nämlich junge Eltern zu einer konstruktiven Auseinandersetzung mit eventuell auftretenden Schwierigkeiten anzuregen, sondern im Gegenteil dazu führte, dass sie sehr stark ablehnend auf die angesprochenen problemlastigen Aspekte junger Elternschaft reagierten.

Mit der freundlicheren, bunten Farbgebung, die daraufhin für die Anzeigen gewählt wurde - eine Farbgebung, die der Vorstellung einer harmonischen Eltern-Kind-Beziehung trotz möglicher Anfangsschwierigkeiten eher gerecht wird -, konnten junge Eltern deutlich effektiver angesprochen und dazu bewegt werden, sich mit der Thematik auseinander zu setzen, indem sie beispielsweise die Broschüre „Eltern sein" bestellten.

Einige weitere Beispiele für Evaluationsprojekte, die Evaluationen der Broschüren „Körper, Liebe, Doktorspiele", „Wie geht's - wie steht's?", „Mona, Lisa & Herr Hahnentritt", des Internetauftritts „loveline.de" und eines Faltblatts zum Thema „Pränataldiagnostik" sind in diesem FORUM ausführlich dargestellt.

Wissenschaftliche Begleitung

Modellprojekte werden - in der Regel durch eine Prozessevaluation - wissenschaftlich begleitet. Indem die einzelnen Schritte bei der Entwicklung und Durchführung eines Modellprojekts durchgehend beobachtet und kontrolliert werden, können eventuell auftretende Schwierigkeiten noch im laufenden Arbeitsprozess identifiziert und behoben werden. Die regelmäßige Bewertung der einzelnen Arbeitsschritte durch die Evaluateure ermöglicht die sukzessive Optimierung des Gesamtergebnisses von Modellprojekten. Zudem enthält der Evaluationsbericht wertvolle Ergebnisse zu geeigneten Strategien der Implementierung.

Die wissenschaftliche Begleitung ist zentraler Bestandteil der Modellprojekte im Bereich Sexualaufklärung und Familienplanung, wie zum Beispiel bei dem Projekt zur Vermittlung erziehungsrelevanter Bildungsinhalte für Eltern „Familienfreizeit für Eltern mit kleinen Kindern", dem Projekt „Love-Talks" zu einer innovativen - Jugendliche, Eltern und Lehrer gleichermaßen einbindenden - Strategie der Sexualaufklärung an Schulen oder dem laufenden MultiplikatorInnenprojekt „Qualitätszirkel in der Pränataldiagnostik", das ebenfalls in dieser Ausgabe des FORUM ausführlicher dargestellt wird.

Abgeschlossene Modellprojekte wurden bereits in mehreren Publikationen vorgestellt: So sind einige Modellprojekte sowie die entsprechenden qualitätssichernden Maßnahmen in dem Fachheft „Forschungs- und Modellprojekte der BZgA" dokumentiert. Eine Darstellung von Modellprojekten, die sich speziell auf die schulische Sexualaufklärung und die Jungenarbeit beziehen, findet sich in FORUM 3-1998. Projekte im Bereich der Aus- und Fortbildung bzw. Curricula-Entwicklung sind im Fachheft „Sexualpädagogische Kompetenz" zusammengefasst.

Qualitätssicherung durch Transfer in die Fachöffentlichkeit

Die Publikation von Arbeitsergebnissen ist ein effektives Instrument der Qualitätssicherung im Arbeitsbereich Sexualaufklärung und Familienplanung. Da einer breiten (Fach-)

Öffentlichkeit Informationen über wissenschaftliche Ergebnisse, Modellprojekte oder Konzepte, die im Auftrag der BZgA erarbeitet werden, aufgrund der Veröffentlichungspraxis gut zugänglich sind, können konstruktive Diskussionen über zentrale Themen der Sexualaufklärung und Familienplanung angeregt werden. Deren Ergebnisse fließen wiederum in die Arbeit der BZgA ein, wobei wir gerade auch von kritischen Anmerkungen profitieren.

Neben den schriftlichen Publikationen - Fachheften, FORUM und Beiträgen in Zeitschriften - und der Veröffentlichung von Arbeitsergebnissen auf Fachtagungen wie das regelmäßig durchgeführte Statusseminar, gewinnt die Darstellung der Aufgaben und Arbeitsergebnisse im Internet zunehmend an Bedeutung.

Schriftliche Veröffentlichungen

Seit 1995 werden regelmäßig Studien und Expertisen, Materialien für die Praxis und Dokumentationen in der Schriftenreihe „Forschung und Praxis der Sexualaufklärung und Familienplanung" veröffentlicht. Diese Fachhefte bieten eine Plattform für die ausführliche und detaillierte Diskussion aktueller Themen aus den Arbeitsbereichen der BZgA, beispielsweise Peereducation in der Sexualaufklärung Jugendlicher, partnerschaftliches Handeln in Betrieben und Mädchenarbeit.

In den Heften der Reihe „FORUM Sexualaufklärung und Familienplanung", die in der Regel vierteljährlich erscheinen, werden zu jeweils einem aktuellen Thema Beiträge unterschiedlicher AutorInnen veröffentlicht. Diese Publikationsform ermöglicht auch spontane Reaktionen auf aktuelle Diskurse. So konnte zum Beispiel Anfang 2000 kurzfristig eine Ausgabe zum Thema „Reproduktionsmedizin und Gentechnik" erscheinen oder Ende 2001 ein Heft zum Thema „Gender Mainstreaming".

Neben den beiden eigenen Publikationsreihen fördert die BZgA auch die Veröffentlichung von Beiträgen in Fachzeitschriften oder in Sammelbänden anderer Institutionen. Dort informieren MitarbeiterInnen der BZgA über Schwerpunkte und Ziele ihrer Arbeit oder AuftragnehmerInnen über Ergebnisse der von ihnen durchgeführten Untersuchungen.

Veröffentlichungen im Internet

Durch die zunehmende Verbreitung von Anschlüssen erhält das Internet als Informationsmedium - gerade unter Jugendlichen - einen immer höheren Stellenwert. Während die schriftliche Veröffentlichung dem Leser/der Leserin ermöglichen soll, sich mit einem Thema vertieft auseinander zu setzen, zielt die Publikation im Internet in erster Linie darauf ab, die NutzerInnen auf weitere, umfassendere Informationen hinzuweisen. Die BZgA-Homepage (www.bzga.de oder www.sexualaufklaerung.de) bietet nicht nur einen Einblick in die Aufgaben und Ziele der BZgA, sondern informiert auch darüber, welche Materialien erstellt wurden, und wie sie beschafft werden können.

Eine der Spezialseiten der BZgA im Bereich Sexualaufklärung und Familienplanung entstand im Anschluss an eine Tagung zum Thema „Mädchenarbeit": „meineSache.de" versteht sich als Plattform zur wechselseitigen Information und Vernetzung von Fachfrauen in der Mädchenarbeit.

Durchführung und Förderung von Tagungen

Die Durchführung und Förderung von Fachtagungen ist ganz besonders dazu geeignet, fruchtbare Diskussionen zu aktuellen Themen anzuregen. Anlässlich der Tagungen können sich Fachleute unterschiedlicher Richtungen direkt und persönlich austauschen. Besonders relevant für die Arbeit der BZgA sind dabei die Ergebnisse der Diskussionen zwischen WissenschaftlerInnen verschiedener Fachrichtungen und insbesondere auch zwischen WissenschaftlerInnen, PraktikerInnen und politischen EntscheidungsträgerInnen. Häufig überdauern die auf den Tagungen geknüpften Kommunikationsnetzwerke und ermöglichen durch regelmäßigen Wissensaustausch wechselseitig eine weitere Optimierung der Facharbeit.[5]

Das regelmäßig durchgeführte, von der BZgA organisierte „Statusseminar" ist ein Beispiel für eine inzwischen etablierte Tagung, auf der wissenschaftliche Fragestellungen aus dem aktuellen Arbeitsbereich der Sexualaufklärung und Familienplanung diskutiert werden. Dabei profitieren die TeilnehmerInnen aus Wissenschaft und Praxis von den - je nach Aufgabengebiet und fachlicher Ausrichtung - unterschiedlichen Sichtweisen auf aktuelle Themen, zum Beispiel Teenagerschwangerschaften, Pränataldiagnostik, Qualitätssicherung oder reproduktive Biografien von Männern.[6] Als Plattform, die auch kontroverse Diskussionen zulässt, fördert die Tagung eine wechselseitige Berücksichtigung unterschiedlicher Perspektiven, und begünstigt die langfristige Vernetzung der Fachleute.

Neben den selbst durchgeführten Tagungen fördert die BZgA auch Konferenzen zu aktuellen Themen, die von anderen Institutionen organisiert werden. Ende 2001 erhielt unter anderem die Bundesarbeitsgemeinschaft „ReproKult" eine finanzielle Unterstützung für eine Tagung zum Thema „Pränataldiagnostik, Präimplantationsdiagnostik und Gentechnik" mit TeilnehmerInnen aus Politik, Wissenschaft und Praxis.

Zukünftige Aufgaben der Qualitätssicherung

Um Effektivität und Effizienz bei der Entwicklung von Maßnahmen in der Sexualaufklärung und Familienplanung auch bei zukünftigen Projekten zu erzielen, werden die bewährten Qualitätssicherungsstrategien weiterhin angewandt und neue entworfen. Ein Beispiel für die Entwicklung eines im Kern neuartigen Instruments der Erfolgskontrolle ist die Evaluation der Sexualaufklärung via Internet. Die Zielgruppenansprache durch das neue Medium verlangt ein Instrumentarium zur Qualitätssicherung, das sich deutlich von herkömmlichen Methoden, wie sie etwa bei der Broschürenevaluation angewendet werden, unterscheidet. Auch in Zukunft wird die Entwicklung von Qualitätssicherungsverfahren flexibel auf die Entwicklung neuer Strategien bei der Zielgruppenansprache reagieren.

Ein weiteres Ziel ist die Fortführung der Standardisierung von verschiedenen Verfahren zur Qualitätssicherung: Die Standards ermöglichen, dass die Qualität ähnlicher Maßnahmen durch ähnliche Verfahren gesichert wird. Dadurch können zum einen die Ergebnisse der Verfahren besser miteinander verglichen werden, zum anderen können die standardisierten Instrumente relativ schnell und problemlos auf neue Maßnahmen angewendet werden, ohne die Verfahren jedes Mal neu zu entwickeln. Um die Bewältigung dieser und weiterer Aufgaben zu unterstützen, wurde in der BZgA eine Arbeitsgruppe zur Qualitätssicherung eingerichtet, an der MitarbeiterInnen aus allen Fachbereichen teilnehmen. Die Qualitätssicherung im Bereich Sexualaufklärung und Familienplanung wird von dieser abteilungsübergreifenden Kooperation ganz besonders profitieren.

Fußnoten

1 Einen ausführlichen Hinweis auf die gesetzliche Grundlage der Arbeit

im Bereich Sexualaufklärung und Familienplanung sowie eine detaillierte Darstellung der Aufgaben und Ziele enthält das Rahmenkonzept Sexualaufklärung.

2 In diesem Text werden zahlreiche Materialien, wissenschaftliche Veröffentlichungen und Dokumentationen als Beispiele genannt. Sie können über die BZgA-Homepage (www.bzga.de oder www.sexualaufklaerung.de) oder die Materialliste bestellt werden.

3 Siehe den Artikel von Lehmann und Töppich in diesem Heft.

4 Das Verfahren wird in der Broschüre „Marktbeobachtung, Marktanalyse" am Beispiel der Kindergesundheit genauer beschrieben.

5 Die einzelnen Beiträge auf den Fachtagungen werden als Dokumentationen oder auf der BZgA-Homepage veröffentlicht. Publiziert sind z.B. die Tagungsdokumentationen „learn to love", „Der Mann im Kinde" oder „meine Sache"

6 Nähere Informationen zu den Themen des Statusseminars 2002 sind unter www.bzga.de zu finden.

Autorin

Ilona Renner
Ilona Renner ist Soziologin. Seit 1999 arbeitet sie in der Abteilung „Sexualaufklärung, Verhütung und Familienplanung“ der BZgA als Referentin für Forschung und Evaluation.
 

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