Pädophilie, Pädosexualität und sexueller Kindesmissbrauch: Über die Notwendigkeit einer differenzierten Betrachtung

Sowohl in der gesellschaftlichen Diskussion und der medialen Berichterstattung als auch in der fachwissenschaftlichen Literatur über sexuellen Kindesmissbrauch wird häufig nicht zutreffend zwischen den unterschiedlichen Phänomenen und Begriffen differenziert. Eine ungenaue und teilweise falsche Verwendung von Begriffen erschwert die notwendige Eindeutigkeit der diagnostischen Zuordnung, was wiederum die Wahl geeigneter Behandlungsansätze, etwa bei potenziellen Tätern, gefährden kann. Der vorliegende Beitrag fokussiert auf die Unterscheidung zwischen sexuellem Erleben und sexuellem Verhalten und betont die Notwendigkeit, zwischen Pädophilie und sexuellem Kindesmissbrauch zu unterscheiden.

Sexueller Missbrauch – Betroffene und Täter

Wie wichtig es ist, in der Diskussion um sexuellen Missbrauch die Seite des Kindes im Auge zu behalten, wird im ersten Teil dieses Beitrages aus psychotherapeutischer Sicht dargestellt. Traumatisierungen der Sexualität, auch dies ein wichtiger und öffentlich kaum beachteter Aspekt, liegen nicht in jedem Fall sexuelle Handlungen zugrunde. In Teil II geht es unter anderem um Typologien von Tätern, psychosoziale Ursachen für sexuellen Missbrauch sowie Strategien Erwachsener, die kindliche Abwehr zu durchbrechen.